Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
65 1 Fähnrich, 2 Feldwebel, 1 Führer, 1 Wachtmeister, 1 Fourier, 1 Musterschreiber, 1 Schanzmeister, 1 Feldscher, 4 Pfeifern, 6 Tambours und 6 Fourierschützen bestand, 916 Mann; in den späteren Jahren wird jedoch deren Stärke, sowie jene der Frick-Thaler Fahne, über deren Organisation genauere Daten fehlen, zumeist mit rund 1000 Mann angegeben. Im Jahre 1704 nahmen an 500 Bürger der Stadt Yillingen mit Auszeichnung an der von Obrist Wilsdorf geleiteten Vertheidigung dieser Stadt theil. Eine grosse Anzahl der Landbewohner wurde beim Bau der neu angelegten sogenannten „Stockacher” Linien, welche vom Boden-See über Friedlingen bis an den Bhein reichten, verwendet, und sollten die letzteren auch von einigen tausend Mann des Landsturmes besetzt werden. Im Winter von 1707 auf 1708 versahen die beiden früher genannten Fahnen unter Baron Grammond den Dienst in der oberen Postierung *), ebenso im Laufe der Jahre 1711 und 1712. Während der Belagerung von Freiburg im Jahre 1714 unternahmen Theile des Landsturmes mit Erfolg einzelne Expeditionen im Bücken der Fran'zosen. Anlässlich der Belagerung der Festung Freiburg durch die Franzosen 1744 betheiligte sich die Bürgerschaft dieser Stadt mit Aufopferung an den Arbeiten zur Verth ei digungs-Instandsetzung derselben. Während der Kriege gegen Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts wurden im Breisgau schon im November 1793 alle Waffenfähigen vom 16. bis zum 50. Lebensjahre unter die Waffen gerufen. In Freiburg wurde ein eigenes Bataillon gebildet, welches aus 3 Füsilier-, 1 Jäger- und 1 Artillerie-Compagnie bestand2) und unter Commando des Major Galluri in den letzten Monaten des genannten Jahres den Dienst am Bhein bis gegen Schliengen versah s), während die Bürger den Garnisons- diensc bestritten. Gleichzeitig wurde im Einvernehmen mit den Ständen des schwäbischen Kreises, in erster Linie dem benachbarten Baden, der Landsturm in der Weise organisiert, dass ein Theil zur unmittelbaren Beobachtung der Bhein-Strecke Basel-Kehl verwendet werden sollte, während der andere bestimmt war, einem etwaigen Vorrücken des Gegners im Lande Widerstand zu leisten. Aus den Einberufenen wurden für den Dienst in der ersten Linie 26 Bataillone mit 156 Compagnien (jede zu 120 Mann) in der Gesammtstärke von 18.720 Mann formiert, wovon auf den Breisgau und Ortenau 19 Bataillone oder 112 Compagnien mit 13.740 Mann, der Best auf die badischen Herrschaften entfiel *). Für die zweite Gruppe waren 57 Bataillone in 342 Compagnien mit einem Gesammtstande von 60.800 Mann veranschlagt und waren als Sammelplätze für diese Schliengen, Freiburg und Malberg bestimmt. Jedes Bataillon war von einem Major oder Oberstlieutenant zu com- mandieren; als Officiere hatten die Gerichtsherren, Vögte, herrschaftlichen Förster u. s. w. zu fungieren. Der Stand der Compagnien war kein gleicher, und hatten sich die einzelnen Gemeinden hierüber, sowie über die Zahl der von einer oder der anderen zu stellenden Officiere gegenseitig zu vergleichen. Die erstgenannten Bataillone versahen auch bis Mitte 1794 den Dienst am Bhein. Zur Leitung des ganzen Landsturmes wrurden später drei Generale, und zwar die Freiherren von Dominique, Andlau und Pfirdt ernannt, deren je einer das Commando auf den früher erwähnten Sammelplätzen übernahm. J) Weniger günstig spricht sich diesmal der Commandant dieser Postierung, FM. Gronsfeld über den Werth dieser Abtheilungen aus. (,,Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen”, X. Band, Seite 279.) 2) Dem Bataillon waren auch 2 Kanonen beigegeben. 3) Das Bataillon war mit jener Fahne ausgerückt, welche die unglückliche Königin Maria Antoinette der Stadt Freiburg, anlässlich ihres Aufenthaltes in derselben auf der Durchreise nach Frankreich, zum Geschenk gemacht hatte. 4) Siehe Anhang Kr. 9. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. Y. Bd. 5