Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

Gl Vertheidigung stets den immer in grösserer Zahl hier versammelten regulären kaiserlichen Truppen anvertraut war. Erstere wurden vorwiegend nur zu Cordons-Diensten am Rhein ver­wendet, hatten daher nicht wie jene Tyrols Gelegenheit, mehr selbständig zum Schutze des Landes aufzutreten; immerhin aber hat auch die Bevölkerung dieser Provinzen bei jedem derartigen Anlasse ihren Opfermuth, Patriotismus und ihre Anhänglichkeit an das Kaiserhaus bewährt Zu Beginn des spanischen Erbfolgekrieges wurde anfangs 1702 der Landsturm aus dem Breisgau und in Schwaben aufgeboten und wurde die Stärke desselben mit 5000 Mann veranschlagt 2), doch befanden sich später, im Juli, nur beiläufig 1200 Mann bei Eriedlingen versammelt s). Ausserdem mussten 1000 Schanz-Arbeiter beigestellt werden und wurde weiters verfügt, dass die nicht schon mit dem Aufgebot ausmarschierten Männer, „beim Sturmläuten mit allerhand Gewehr was sie haben”, auf den be- zeichneten Punkten sich versammeln sollten4), und rechnete man noch auf ein weiteres Aufgebot (Landsturm) von circa 8000 Mann. Die weiter rück­wärts gelegenen Ortschaften sollten den näher zur Posten-Linie liegenden „zulaufen, und wo diese hingezogen, allsobald folgen”. Jeder Ort war verpflichtet, bei Annäherung des Feindes die nächsten Landsturm-Sammelplätze 6) und die beiden nächsten Officiers-Posten zu avi­sieren, und es mussten daher überall drei Pferde in Bereitschaft gehalten werden, ebenso zwei Männer, welche „die Leute zusammensammeln und an­treiben”. Jeder Ort, in dessen Nähe der Feind kam, musste sogleich die Sturm­glocke anschlagen und alle Nachbarorte hatten dies sogleich abzunehmen und weiter zu geben. Nach der Einnahme von Landau wurde auch factisch der Landsturm aufgerufen „und der von altersher immer gleich unverwüstlich reichstreue Sinn der wackeren Schwarzwälder erprobte sich auch diesmal wieder in zahl­reichem Zuzuge und opferwilligster Arbeit” 6). Nach der Schlacht bei Friedlingen brachte derselbe den verfolgenden Franzosen viele Verluste bei. In den folgenden Jahren wurden Abtheilungen des Landsturmes (Auf­gebotes) wiederholt während der Winter-Postierung in der sogenannten „oberen. Linie” zur Bewachung der Rhein-Uebergänge verwendet, waren aber 1703 zu schwach, den Uebergang der Franzosen zu verhindern. An organisierten Landfahnen erscheinen nur mehr jene von Hauenstein und des Frick-Thaies genannt. Die Hauensteiner Fahne war in vier Züge formiert, von welchen die ersten drei aus den Mannschaften der Bezirkstheile ober und unter der Alb combiniert, der vierte aus jenen der Städte und Vogteien Bernau, Schönau, Todtnau, Furt- weil, Waldshut, Schwerstadt und Zell im Wiesen-Thal gebildet war7). Die ganze Fahne zählte im Jahre 1703 inclusive der Prima-plana, welche in 1 Hauptmann (Land-Miliz-Hauptmann Joachim Haim), 1 Lieutenant, !) „Die harten, trotzigen Männer aus dem Schwarzwald, die Bauern vom Hären­stem, die Waldleute von St. Blasien u. a„ waren keine zn verachtenden Gegner. Wohl­vertraut mit der Waffe, von kaltem, festen Muth und in harter Arbeit wohlerprobter Kraft, standen sie zudem fest in ihrer Ueberzeugung und treu zu den Habsburgéra und zum Reich.” (Wetzer, „Der Feldzug am Ober-Rhein 1638”. Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs, neue Folge, I. Band, Seite 282.) 2) Unter dem Aufgebot in Schwaben war aber nicht nur jenes aus den österreichi­schen Besitzungen, sondern das aus dem ganzen schwäbischen Kreise verstanden. 3) Hievon hatten der Ritterstand 800 Mann, die geistlichen Stände etwas über 100, der dritte Stand (die Stadt- und Land-Bezirke) bei 800 Mann gestellt. 4) „Sobald die Sturmglocke geschlagen wird, ein Jeder, der sich wehren kann, so­wohl Meister wie Knecht, auch Söhne, bei Strafe Confiscation aller Güter und Landes­verweisung, mit habendem Gewehr, in dessen Ermanglung aber mit Hacken, Schaufeln und Gabeln und dergleichen Instrumenten an das assignierte Ort oder Sammelplatz laufen sollen.” („Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen”, IV. Band, Seite 100.) ■"') Als solche waren bestimmt: Kappel, Nonnenweier, Altenheim, Goldscheuer. Auenheim, Unter-Auenheim, Hügelsheimer Schanze, Rinthdorfer Schanze (zwischen der Murg und Illingen). e) „Feldzüge des Prinzen Eugen von Savojren”, 1Y. Band, Seite 491. 7) Siehe Anhang Nr. 8.

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