Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

63 Mehrere Compagnien betheiligten sieh an der anfangs Mai unter­nommenen misslungenen Vorrückung in das Engadin, ebenso an der späteren zweiten Offensive mit dem siegreichen Angriffe auf den Luciensteig, wobei nebst den Montafoner und Sonnenberger Schützen, insbesondere zwei aus frei­williger Mannschaft aller übrigen oberständischen Compagnien formierte combi- nierte Compagnien unter den Hauptleuten Griess und Biedmüller Gelegen­heit fanden, sich auszuzeichnen. Nachdem die Landes-Vertheidiger Ende Mai nach Hause entlassen worden waren, erfolgte nur vorübergehend im August auf einige Tage, dann Ende September eine erneuerte Einberufung derselben, doch gelangte keine Abtheilung zur activen Verwendung. In der ersten Hälfte des Jahres 1800 deckten die gegen Ende Mai ein- berufenen Abtheilungen theils die Khein-Strecke Feldkirch-Bregenz, theils die Linie Dornbirn-Sulzberg-Staufen, und nahmen an der Vertheidigung der letzteren hauptsächlich der Landsturm des Bregenzer Waldes, dem sich auch der einiger anderer benachbarter Gerichte angeschlossen hatte, theil. Bei einigen theils an dieser Linie, theils in der Stellung bei Feldkirch statt­gefundenen kleineren Gefechten zeichneten sich die Hauptleute Nachbauer, Getzner, Sutterlutti und Berkmann aus. Im Jahre 1805 fiel den zur Unterstützung des dort detachierten Jellacic- schen Corps einberufenen Abtheilungen der Landes-Vertheidiger Vorarlbergs, welches Land nunmehr in politischer Hinsicht mit Tyrol vereinigt war. nur eine untergeordnete Holle zu und entfiel nach der Capitulation dieses Corps bei Dornbirn jede weitere Vertheidigung. Anlässlich der Erhebung der Tyroler im Jahre 1809 fand auch hier schon im April die Organisierung des Landsturmes statt, an welcher theils einige patriotische Männer aus dem Ober-Inn-Thal, theils der Hauptmann Camihel des Salzburger Jäger-Bataillons1) mitwirkten. Die bedeutendste Affaire, an welcher die Vorarlberger Landes-Vertheidiger theilnahmen, war die am 29. Mai bewirkte glänzende Vertheidigung der Stel­lung bei Hohenems-Dornbirn. 6) Die österreichischen Vorlande. In den ehemals österreichischen Vorlanden, dessen Haupt-Gruppen der Breisgau mit Ortenau und die Besitzungen in Schwaben (Markgrafschaft Burgau, Grafschaft Nellenburg u. a.) waren, bestand auch von altersher die Institution des Aufgebotes, nach ähnlichen Prineipien wie in den Erblanden. Die aus demselben formierten Abtheilungen wurden zumeist „Landfahnen” genannt, erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Eintheilung in Compagnien üblich. Nach einer älteren Bestimmung bestanden, der Eintheilung des Gebietes in 8 Bezirke entsprechend, auch 8 solcher Landfahnen, und zwar zu Freiburg, Viliingen, Neuenburg, Burkheim, Staufen, Waldkirch, Hauenstein, dann Bhein- felden (oder Frick-Thal)2). Im allgemeinen war jeder waffenfähige Mann vom 16. bis zum 40. Lebens­jahre zum Aufgebot (Landsturm) verpflichtet. Wenn die Einberufung nicht lange dauerte, musste jedermann sich auf einige Tage selbst verpflegen. In Ermanglung von Gewehren konnte die Mannschaft mit Säbeln, Gabeln, Äxten oder Sensen bewaffnet werden. Führer der einzelnen Aufgebote (Landfahnen) waren in älteren Zeiten zu­meist die betreffenden Landvögte (Ammänner). Obwohl diese Gebiete beinahe in allen Kriegen, welche das Haus Habs­burg vom 30jährigen an geführt hatte, ausgenommen jener gegen die Türken, einen der Haupt-Kriegsschauplätze bildeten, so fiel den fallweise einberufenen Aufgeboten zumeist nur eine mehr untergeordnete Eolle zu, da die Haupt­3) Siehe II. Band, Seite 464 und 522. 2) Jene der Ortenau, welches Gebiet zur Hälfte badisch war und nicht unmittelbar zum Breisgau gerechnet wurde, nahm eine selbständigere Stellung ein. %

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