Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
50 Die Mannschaft sollte nicht über die Grenze geführt und alle sechs Wochen abgelöst werden. Für den Fall eines Eindringens starker feindlicher Streitkräfte in das Land sollten die Sturmglocken geläutet werden und hatte alle wehrfähige Mannschaft im Alter von 18 bis 60 Jahren zu den Waffen zu greifen und wurde die Begünstigung, die Officiere selbst wählen zu dürfen, später auch auf die Miliz-Compagnien ausgedehnt. Zur Leitung der ganzen Anstalten wurden zwei Schutz-Deputationen in Innsbruck und Bozen gebildet, welche aus Mitgliedern der landesfürstlichen Regierung, sowie der Stände zusammengesetzt waren. Nachdem mittlerweile auch der kaiserliche FML. Freiherr von All- vintzy vom Kaiser als Ober-Commandant nach Tyrol entsendet worden war, welcher der Landes-Vertheidigung, speciell der Volksbewaffnung ein reges Interesse entgegenbrachte, gieng auch die Aufstellung der Compagnien rasch vonstatten, so dass gegen Ende Juni schon 50 derselben mit einem Gesammt- stande von 6000 Mann an der Grenze bereit standen ‘) ; auch wurden in einzelnen Städten Bürger-Garden errichtet. Die Zahl dieser Compagnien wurde später auf 37 herabgesetzt, von denen einige in den ersten Tagen des Monats August an den Kämpfen der Armee Wurmser’s (beziehungsweise des Corps Quosdanovich) theilnahmen. Infolge der Unfälle, welche diese Armee getroffen, wurde am 30. August durch den an Stelle des abberufenen altersschwachen Gouverneurs Grafen Waidmannsdorf mit der Führung der Landesgeschäfte betrauten energischen Grafen Lehrbach das ganze Aufgebot der 20.000 Mann einberufen, ferner unter der Leitung des FZM. Colli an allen bedrohten Punkten Verschanzungen angelegt, beziehungsweise die vorhandenen Befestigungen in guten Vertheidigungszustand gesetzt. Zu Beginn des Monates September 1796 standen 46 solcher Compagnien mit einem Gesammtstande von 5388 Mann im Felde, und zwar 22 derselben im oberen Defensions-Districte theils unter Oberstlieutenant Bal- theser bei Ehrenberg, theils unter Thaddäus Graf Taxis am Arlberg; im südlichen Districte standen 8 Compagnien unter Major Tasch im Vintschgau, 9 unter Graf Arzt im Sulz-Thal und am Tonal, endlich 7 unter Sebastian in der Val Sugana 2). Von den Compagnien des südlichen Districtes nahm später ein grosser Theil an den verschiedenen zum Entsatz von Mantua tmternommenen Operationen, soweit selbe sich innerhalb der Landes-Grenzen abspielten, Antheil und hatten wiederholt Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Einzelne derselben betheibgten sich im Januar 1797 auch an dem sogenannten vierten Entsatz-Versuche mit den Kämpfen hei Bivoli und wurden sohin auch auserhalb des Landes verwendet3). Im weiteren Verlaufe der Kämpfe des Jahres 1797 wurden ausser den Aufgeboten aus dem Etsch-Thale auch jene der übrigen Th eile des Landes einberufen und standen Ende März in dem nach dem Rückzug der kaiserlichen Haupt-Armee im Lande zurückgebliebenen schwachen Corps des FML. Kerpen 94 Landesschützen-Compagnien mit einem Gesammtstande von circa 10.000 Mann *), von welchen verschiedene in den Gefechten im Fleims-Thale (bei Cembra, Faedo u. a.) mit Auszeichnung kämpften, aber bedeutende Verluste erlitten. Mittlerweile war auch mit 24. März der allgemeine Landsturm aufgeboten worden 5) und wirkten Abtheilungen desselben mit gleicher Tapferkeit an den Kämpfen bei Spinges u. a. mit. *) Ueber die Zahl der fallweise in den einzelnen Monaten der Eeldzüge 1796 bis 17S7 ansmarschierten Compagnien, siehe Anhang Nr. 3. 2) Dazu kamen später noch 2 Compagnien in der Scharnitz und 4 am Achen-Pass. 3) Mit Zustimmung der Schutz-Deputation war die Verwendung einer Anzahl sich hiezu freiwillig meldenden Abtheilungen auch ausserhalb der Grenzen im Anschluss an die kaiserlichen Truppen in Aussicht genommen worden. Ebenso sollte eine Anzahl von theils Knappen, theils Bauern als Pionniere für den Dienst in der Lombardié angeworben werden. (Acten des k. k. Ministeriums des Innern. Beschluss vom 28. December 1798.) 4) Laut eines gestellten Antrages sollten dieselben auch ,,Loudon’sche Schützen5' genannt werden. 5) Jener des Wipp-Thaies sammelte sich an der Brixener Klause, jener des Unter-Inn-Thales deckte die Pässe und Jochübergänge beiderseits von Sterzing, der des