Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
46 stark sein. An Sold oder Wartgeld hatten zu erhalten jährlich: der Hauptmann 200 Gulden, Oberlieutenant 130 Gulden, Unterlieutenant 120 Gulden, Fähnrich 50 Gulden. Die Verwendung derselben stand entweder dem Militär-Director oder in dessen Abwesenheit dem Land-Obristen als Commandanten der Landes- Vertheidigung zu. Die Werburg dieser Compagnien wurde auch schon im Frühjahre 1704 in Angriff genommen, doch gerieth deren Completierung wieder ins Stocken, da sich in diesem, sowie in den folgenden Jahren die Kriegsgefahr für das Land verringerte. Gegen Ende des spanischen Erbfolgekrieges müssen dieselben jedoch in der vorgeschriebenen Anzahl bestanden haben, da 1713 deren Formierung in zwei Regimenter angeordnet wurde. Abgesehen von einer Zusammenziehung eines kleinen Theiles des Aufgebotes des unteren Etsch-Thaies im Jahre 1706, als sich das Corps des kaiserlichen Generals Reventlau nach dem ungünstigen Treffen bei Calci- nato nach Tyrol zurückgezogen hatte, fand im spanischen Erbfolgekriege keine weitere Einberufung der Aufgebote mehr statt. Nach Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges wurde die Stärke der einzelnen Auszüge auf 6000, beziehungsweise 9000 und 12.000 Mann herabgesetzt, wobei auch der Stand der einzelnen Miliz-Regimenter, deren Organisation nunmehr wieder vorgesehen erscheint, sich verminderte *). Zum ersten Auszuge sollten nur taugliche, aus Angesessenen erwählte Leute zwischen dem 18. und 50. (früher 60.) Jahre genommen werden, wobei nach Proportion des Besitzes, ohne jede Parteilichkeit vorzugehen war. Die Detail-Uebungen der Miliz wurden auf monatlich eine restringiert, ausserdem sollten jährlich zwei Haupt-Uebungen abgehalten werden. Die 2000 Schützen waren wie erwähnt in 2 Regimenter zu formieren. Die Officiere dieser Regimenter wurden zwar wie bisher gewählt, erhielten aber später Bestallungs-Decrete von der Regierung. Kein Hof war zur Stellung eines Schützen verpflichtet, wo sich aber ein solcher meldete, war der betreffende Hof von der Stellung eines Militioten befreit, was aber wieder den Nachtheil mit sich brachte, dass mancher aus Scheu vor dem Miliz- Dienste freiwillig hier eintrat, ohne im geringsten Lust und Eifer für das Schützenwesen zu haben. Exercier-Uebungen fanden keine statt, auch erhielt im Frieden niemand mehr ein Wartgeld. Im Kriege waren die Gebühren der Officiere jenen der Miliz gleich, bei der Mannschaft waren sie höher bemessen als dort1 2). Die Kosten hiefür wurden mit beiläufig einem Viertel von der Landschaft bestritten, für den Rest musste der Landesfürst aufkommen. Zu Beginn des polnischen Erbfolgekrieges wurden schon im November 1733 durch den Land-Obristen Grafen Wolkenstein im Einvernehmen mit dem kaiserlichen Obristen Güntheroth, welchem vom Hof'kriegsrath der Befehl über die Landes-Aufgebote übertragen worden war3), Anstalten zur Landes-Vertheidigung getroffen und insbesondere die Süd-Grenze durch eine Reihe von Befestigungen gesichert. Diese Linien -waren vom November 1733 bis gegen Ende Januar 1734 durch Aufgebots- und Scharfschützen-Compagnien besetzt gehalten4), später jedoch wurde der grösste Theil nach Hause entlassen; nur 900 Mann, das 1) Es konnte nnnmelir auch das zweite, eventuell dritte Aufgebot in den Regiments - Verband einbezogen werden. 2) Und zwar erhielt nunmehr auf Postieruug der Obrist täglich 6 Gulden, Hairpt- mann 2 Gulden. Lieutenant 1 Gulden. Fähnrich 45 Kreuzer. Von der Mannschaft erhielt der Feldwebel 30 (bei den Schützen 36) Kreuzer, Führer. Fourier. Feldscher und Corporal 24 (27) Kreuzer, Gefreiter, Tambour und Fourierschütz 20 (24) Kreuzer, der Militiot 15, der Schütze aber auch 24 Kreuzer. 3) K. A., F. A. Italien 1733, XI, 6. 2 Und zwar waren in Verwendung 19 Aufgebots-Compagnien, darunter die von o. aus der Val Sugana, aus dem Val di Non u. s. w., dann 15 Scharfschützen- Compagnien. unter welchen die von Trient, Lienz, Hainfels, Brixen u. a. Die ersteren hatten eine Stärke von 200, letztere von 100bis 120 Mann. (,,Feldzüge des Prinzen Eugen”, XIX. Band, Seite 96.)