Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
31 dienst in der Hauptstadt*), und wurde der Commandant desselben, Major Dobler, mit der goldenen Civil-Ehren-Medaille decoriert. Gegen Ende des Jahres 1800 wurde mit Patent vom 2. December Vorbereitungen für die Landes-Vertheidigung getroffen, welche sich jedoch mehr auf die Errichtung von Freiwilligen-Bataillonen nach Art der böhmischen Legion beschränken sollten. Zur speciellen Vertheidigung des zu Krain gehörigen Küstenstriches von Castua bis Bersetz sollte theUweise das Fiumaner Aufgebot2) herangezogen werden ; ebenso im allgemeinen auch die Arbeiter der Montanwerke s). Wegen des bald eingetretenen Abschlusses des Friedens gelangten jedoch keinerlei Anstalten zur positiven Durchführung. Da die innerösterreichischen Provinzen im Jahre 1805 nicht directe bedroht erschienen, so wurden mit Ausnahme von Görz, wo ein Aufgebot am 2. December erlassen wurde 4), keinerlei Vorkehrungen für die directe Landes- Vertheidigung getroffen5). b) Görz, Gradisca und das Küstenland. In diesen Gebieten bestand schon von älteren Zeiten her eine Land-Miliz, welche Institution hier auch mit dem Namen der „C erni den” bezeichnet wurde6). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts stand diese Land-Miliz unter einem vom Kaiser ernannten Obristen. Das ganze Gebiet war in 4 Compagnie-Bezirke getheilt, in welch’ jedem 1 Hauptmann, 1 Fähnrich, 1 Feldwebel und 1 Trommelschläger für beständig mit Sold (Wartgeld) zu halten waren. Von diesen Compagnie-Bezirken entfielen drei auf die gefürstete Grafschaft Görz, einer auf Gradisca, und hatten die Hauptleute derselben ihren Sitz zu Tóiméin, am Karst und zu Görz (gleichzeitig Leib-Fähnlein des Obristen); der vierte Hauptmann, dessen Bezirk das Gebiet jenseits des Torre und alle gegen Görz und Gradisca zu liegenden Dörfer und Flecken umfasste, hatte seinen Sitz zu Gonars 7). Diese Compagnie nahm überhaupt eine mehr selbständige Stellung ein und wurde später ganz als „Gradiscaner” Cemide von der Görzer abgetrennt. Alljährlich hatten vier Musterungen abgehalten zu werden 8), bei welchen sich alle Waffenfähigen vom 16. bis zum 60. Lebensjahr zu stellen hatten, und wurde aus denselben unter den zum Kriegsdienste tauglichsten jeder zehnte, dritte und fünfte Mann sammt den dazu gehörigen Corporalen beschrieben und hiedurch für den Fall der Einberufung bereit gestellt, was im Görzischen eine Zahl von circa 2000, in Gradisca von 1000 Aufgebotenen ergab. Alle zwei bis drei Jahre sollte überdies eine General-Musterung stattfinden, bei welcher, um dem zu starken Anwachsen vorzubeugen, die ältere Mannschaft durch jüngere ersetzt wurde. Bei diesen Musterungen, sowie in allen Angelegenheiten hatte der Obrist im Einvernehmen mit den betreffenden Hauptleuten, sowie mit den ständischen Verordneten vorzugehen. *) Im Jahre 1532 als ,,Bürger-Miliz” auf'gestellt, hatte sich dieselbe schon in dem genannten Jahre bei Vertheidigung des Schlossberges gegen die Türken ausgezeichnet. L791 erhielt dieselbe von Kaiser Leopold I. eine militärische Organisation und Uniformierung, und bestand dieses Corps nunmehr aus 2 Compagnien Grenadieren, 1 Jäger- Abtheilung und 2 Escadronen Cavallerie. Die Grazer Bürger-Garde ist die einzige derartige Abtheilung, welche als solche noch in ihrer alten Formation und Uniform besteht und bei gewissen feierlichen Anlässen (Frohnleichnamsfest), dann bei Begräbnissen von Mitgliedern derselben ausrückt. 2) und 4) Siehe im Uebrigen auch das nächste Capitel. ‘3) Zu solchen gehörten in Inner-Oesterreich : Das Ober-Bergamt in Villach, die Innerberger Gewerkschaft, das Vordernberger Bergamt. das Salzkammergut in Aussee. (Bezüglich der Details der Vertheidigungs-Dispositionen siehe K. A., F. A. Italien 1800, XI, 346.) 5, Bildung eines Freiwilligen-Bataillons in Steyermark (Inner-Oesterreickj wie bei Nieder-Oesterreich. (Siehe auch IL. Band, Seite 520.) 6) Zu Zeiten des Heerbannes konnte der Landesfürst nur mit Zustimmung der Landes-Edlen und verstärkt durch deren Zuzug einen Krieg beginnen. 7) Gonars liegt in dem nicht mehr zu Oesterreich gehörigen Theile von Friaul, westlich von Pálmánuova. 8) Früher fanden allmonatlich solche Musterungen statt.