Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 2. (Dritte Folge, 1903)
Hauptmann Criste: Die österreichische Truppen-Aufstellun gegen Preussen und Polen, 1790
Die österreichische Truppen-Anfstellung 1790. 25 Fürst Kaunitz musste doch eifriger als bisher auf Massnahmen bedacht sein für den Fall, als Preussen wirklich den Entschluss fassen sollte, sich offen auf die Seite der Gegner Oesterreichs zu stellen. Das russische Cabinet, mit welchem er hierüber bereits Ende 1787 Fühlung genommen hatte, versprach wohl anfangs alle möglichen Mittel und Kräfte dem etwaigen neuen Gegner entgegenzusetzen; auch zeigte es sich einem Frieden mit der Türkei geneigt, stellte aber so hohe Forderungen, dass selbst der Versuch einer diesbezüglichen Verhandlung von vornherein aussichtslos sein musste; die matte Kriegführung Potemkin’s aber, der trotz unaufhörlicher Mahnungen der österreichischen Abgesandten im russischen Lager, mit unzulänglichen Mitteln an die Belagerung der wichtigen Festung Oczakow schritt, konnte weder auf den geplanten Friedensschluss, noch auf das Verhältnis der beiden Kaisermächte zueinander günstig einwirken. Der Vorschlag der russischen Staatsmänner, auf eine Allianz mit Frankreich und Spanien hinzuarbeiten, um den Seemächten gegenüber ein Gegengewicht zu erlangen, die zur Verfügung stehende Hauptmacht auf die Bekämpfung Preussens zu verwenden und sich der Pforte gegenüber in der Defensive zu halten, fand Kaiser Joseph mit Hecht ganz undurchführbar. Eher wollte er der Allianz mit Russland entsagen, als die Verpflichtung zu einem Doppelkriege übernehmen, und dringend forderte er Kaunitz auf, in Petersburg Vorstellungen zu machen. Fürst Kaunitz verschloss sich übrigens nicht mehr diesen Ansichten des Kaisers. Die glückliche Wendung des Krieges machte es, wie er meinte, nicht nur möglich, die von der Pforte angebotenen Friedensverhandlungen anzunehmen, man konnte dabei auch die grösstmöglichen Vortheile erlangen, wenn man die Operationen energisch fortsetzte. Diese aber mussten durch den Eingriff Preussens entschieden gelähmt werden. Solange die Vorschläge Preussens an die Pforte ein wahrhaftiger „leoninischer Contract” waren, brauchte man nicht zu besorgen, dass die Türken darauf eingehen würden; nun aber werde ihnen „unter der Larve der grössten Uneigennützigkeit eine Off- und Defensiv-Allianz mit der positiven Zusage angetragen, dass sie in dem Augenblick, als sie sich über die Donau verdrängt sehen dürften, auf den Beistand der