Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)
Hauptmann Peters: Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe
Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe. 347 Es ist Maria Theresia -vom Schicksal nicht gegönnt, ihren Lebensabend in Ruhe zu geniessen. Wieder beleuchtet die Kriegsfackel denselben und zeigt uns die Gestalt dieser seltenen Frau in neuem Lichte. Ihre Mutterliebe und ihr Abscheu vor dem Kriege, der ihre ganze Regierungszeit zu einer der schwersten aller österreichischen Herrscher gemacht, kämpft mit der Staatsnoth- wendigkeit und ihrer Regenteilpflicht. Sie erringt in diesem Seelenkampfe — unter schweren Sorgen — den Sieg der starken Frau. Staatsklug und ohne Blutvergiessen gewinnt sie politische Vortheile und sichert sich erneuert die Bewunderung jedes Oesterreichers. Das rührende Verhältnis zwischen Mutter und Sohn bleibt — trotz der durch die Mission Thuguts nach Braunau zu Friedrich II. vorübergehend entstandenen Spannung — ungetrübt und äussert sich in herzgewinnender Weise in ihrem Briefwechsel1). Auch lernen wir im bayerischen Erbfolgekriege zum erstenmale die militärische Begabung Kaiser Joseph II. kennen, welcher es nicht nur verstand, in rastloser Thätig- keit immer zeitgerecht durch treffliche Defensiv-Massregeln und Truppen-Verschiebungen Friedrich H. Durchbruchsund Umgehungs-Versuche zu vereiteln, sondern auch während des ganzen Feldzuges die Armee zu vermehren und zu verstärken * 2). Nach kaum einem Jahrhundert — im Jahre 1866 — sehen wir neuerdings die Massen des österreichischen Heeres zu defensivem Zwecke in der Elbe-Stellung vereinigt; ja, die locale Detailforschung ist noch heutzutage in der Lage, stellen*) Arneth, „Maria Theresias letzte Regierungsjahre”.Briefwechsel. 2) Stand der Armee nach No sin ich, „Kaiser Joseph als Staatsmann und Feldherr” (Band 1883 der Mittheilungen des Kriegs-Archivs). Am 1. Juli 1778: 138V2 Bataillone, 216 Esoadronen, 175.000 Mann, 39.500 Pferde, 768 Geschütze. Hiezu als Vergleich die amtliche Standes- Berechnung für den Beginn des Feldzuges 1779: 225 Bataillone, 276’A Escadronen, 297.500 Mann, exclusive der Artillerie, die ziemlich gleichen Stand behalten hatte, und des Fuhrwesens.