Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die Organisation der einzelnen Reiter-Gattungen

Die Organisation der einzelnen Reiter-Gattungen. 1. Die Cürassier-Regimenfcer1). 1618—1649. Die Cürassiere galten als die älteste und vornehmste Reiter-Gattung im kaiserlichen Heere und mag die hohe Achtung, welche man ihnen zollte, nicht wenig dazu beigetragen haben, sie zu jener glänzenden und ruhmreichen Truppe zu machen, als welche sie sich stets bewährten. Die im 30jährigen Kriege bestandenen Regimenter hatten einen Normal- Stand von 5—10 Compagnien, letztere einen solchen von ca. 100 Mann. Bezüglich der vorgekommenen Vermischung mit Arquebusieren, sowie der sonstigen Standes-Verhältnisse gilt das für die Cavallerie im Allgemeinen Gesagte; ebenso in Bezug auf die Zusammensetzung der Regiments-Stäbe und den Personal-Stand der Unter-Abtheilungen* 2). Die Zahl der Cürassier-Regimenter, deren ältestes, das Regiment Maradas, wie erwähnt schon die Feldzüge gegen die Venezianer in Friaul (1616—1617) mitgemacht hatte, war eine vielfach wechselnde und erreichte im Jahre 1636 mit 66 Regimentern die höchste Ziffer. Nach Abschluss des westphälischen Friedens wurden in den Jahren 1619/50 von den bei Ende des Krieges vorhandenen 37 Regimentern 28 abge­dankt und verblieben nur die nachbenannten von Kaiser Ferdinand III. namentlich bestimmten 9 Cürassier-Regimenter, für welche nunmehr beinahe ausschliesslich die Benennung: Regimenter zu Pferd (Ross) üblich wurde3), auf dem Fusse stehen. Es waren dies die Regimenter: de Werth (heute Dragoner-Regiment Nr. 8), Khevenhüller (1652), Gonzaga (1660), Sporck, Götz und Beck (1679), Piccolomini (1701), Montecuccoli (1734), dann Walter (1775 aufgelöst). Die Cürassiere zählten zur schweren Reiterei, waren nur für den Kampf mit der blanken Waffe bestimmt und zu Beginn des 30jährigen Krieges noch ganz in Eisen gehüllt. Sie trugen einen eisernen Helm mit Visier, Stahlkragen, Doppel-Cürass (Krebs- und Rücken-Harnisch), eiserne Handschuhe, Arm- und Beinschienen4) und hohe Stiefel. ’} Die einzelnen Reiter-Gattungen sind in jener Reihenfolge aufgefiihrt, in welcher sie im Allgemeinen im kaiserlichen Heere auftraten; nur sind die irregulären Reiter, um den Zusammenhang nicht zu stören, ohne Rücksicht auf deren theilweise schon früheres Auftreten, erst nach allen regulären Reiter-Gattungen aufgenommen. a) Siehe Seite 11. 3) Siehe auch Seite 8. 4) Ob und wie weit im Laufe des Krieges eine Verminderung der angeführten Schutz­waffen stattgefunden, lässt sieh nicht actenmässig nachweisen.

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