Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
— 16 Dieselbe wurde flaggenartig um den Längentheil geschlungen, daher vielfach auch „Trompeten-Flagge oder -Fahne” genannt. Die Pauken waren gleichfalls mit einer grossen Decke, auch „Paukenfahne” genannt, überzogen. Dieselben waren auch von rother oder gelber Seide (Brocat) oder von Sammt; die Bänder liefen zumeist in Fransen aus, in der Mitte war das Wappen des Regiments-Inhabers oder andere Embléme gestickt'). Die Pferderüstung bestand im Wesentlichen nur noch aus dem Kopfgestell mit der Stange und Trense, aus dem Vorder- und Hinterzeuge mit starken messingenen Schnallen, aus einer Decke und dem deutschen, beziehungsweise ungarischen Sattel (Bock) aus Buchenholz. Ferner gehörten dazu zwei Pistolenhalfter * 2 3), die Steigbügel, dann eine mit harrassenen Borten eingefasste, zumeist rothe oder blaue Echabraque, welche den Namenszug des Inhabers trug. 1705—1740. Im weiteren Verlaufe des spanischen Erbfolgekrieges traten theils durch Neu-Aufstellungen, denen wieder einzelne Auflösungen entgegenstanden, theils durch die nach dem Frieden von Rastatt, 1714, erfolgte Uebernahme einer Anzahl von spanisch-habsburgischen National-Regimentern aus den Diensten König Carl III. (nunmehr Kaiser Carl VI.) in kaiserliche, eine Veränderung in der Zahl der Regimenter ein und zählte das kaiserliche Heer sohin im Jahre 1715 23 Cürassier-, 16 Dragoner- und 5 Husaren-, zusammen 44 Reiter- Regimenter s). Nachdem weiters während des Krieges gegen die Türken, 1716—1718, zwei Regimenter in kaiserlichen Dienst übernommen, dagegen Ende 1718 zwei und nach Beendigung des Krieges auf Sicilien, 1721, sechs Regimenter aufgelöst, dann ferners in den Jahren 1721 und 1725 die erwähnten National- Regimenter reorganisiert und aus denselben zwei Regimenter auf deutschem Fusse (ein Cürassier- und ein Dragoner-Regiment4 5) formiert worden waren, endlich anlässlich des polnischen Thronfolgekrieges wieder theils Neu-Auf- stellungen, theils Reductionen stattgefunden hatten, betrug die Zatil der Reiter-Regimenter im Jahre 1740 beim Tode Kaiser Carl VI. 40 Regimenter, darunter 18 Cürassier-, 14 Dragoner- und 6 Husaren-Regimenter. An Aenderungen im Personal-Stande der Stäbe und Unter-Abtheilungen ergaben sich in dieser Periode nahezu die gleichen, wie bei der Infanterie. Es wurde die Charge des Obrist-Regiments-Commandanten creiert, der Wachtmeister - Lieutenant erhielt den Titel: RegimentsAdjutant6), ferner wurden die bisher bei den Compagnien eingetheilten Feldscherer als Feldscher-Gesellen zum Regiments-Stabe eingetheilt. Der Dienst des Regiments-Secretärs wurde mit jenem des Auditors vereint, die Charge der Musterschreiber bei den Compagnien abgeschaflt, endlich jene des Proviantmeisters und des Wagenmeisters nur für den Kriegsfall systemisiert. Als im Jahre 1715 die Carabinier-, beziehungsweise Grenadier-Compagnien bei den Cürassier- und Dragoner-Regimentern aufgestellt wurden, nahmen die übrigen zum Unterschiede von diesen die Benennung: ordinäre Compagnien an. Erstere hatten einen Ober- und einen Unterlieutenant im Stande, dagegen keinen Cornet (Fähnrich), da sie keine Estandarten führten; auch x) Mitunter entsprachen diese Decken, analog wie die Estandarte, als Abzeichen der einzelnen Compagnien. 2) Dieselben wuirden vorne beiderseits des Sattels befestigt und waren später mit einer kleinen Decke versehen, welche auch das Wappen des Inhabers trug. 3) Unter diesen befanden sich 3 spanische, 2 mailändische, 1 neapolitanisches, 1 sardinisclies und 3 niederländische National-Regimenter. *) Die heutigen Dragoner-Regimenter Nr. 5 und Nr. 14. 5) Bei der Reiterei erschienen dieselben jedoch überhaupt schon seit der Einführung dieser Charge zumeist als „Adjutant” benannt.