Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
— 17 war der Mannschafts-Stand stets ein höherer, als jener der ordinären Compagnien '). Im Jahre 1727 wurden auch bei den meisten Cavallerie-Regimentern vier Auetions-Compagnien aufgestellt, dieselben jedoch 1731 wieder aufgelöst und zum Theiie zur Completierung der eigenen oder anderer Regimenter verwendet* 2). In Bezug auf Bekleidung und Bewaffnung fanden keine, die Reiterei im Allgemeinen betreffenden, wesentlichen Veränderungen statt. 1740-1765. Im Laufe des österreichischen Erbfolgekrieges, beziehungsweise nach dem Frieden von Aachen fanden nur unwesentliche Veränderungen im Stande der kaiserlichen Reiterei statt und erfuhr dieselbe, abgesehen von der Aufstellung einiger regulärer Husaren-Regimenter eine weitere Vermehrung durch die von 1746 an, nach Reorganisierung der Militär-Grenz-Gebiete, in den einzelnen Generalaten (Carlstädter-, Warasdiner-, Banal- und Slavonisches) aufgestellten vier Grenz-Husaren-Regimenter, . zu welchen 1762 noch ein in Siebenbürgen aufgestelltes Husaren-, sowie ein Dragoner-Regiment kamen3). Nachdem während des siebenjährigen Krieges einige Neu-Aufstellungen stattgefunden, darunter jene einesChevauxlegers-Regiments als erstes dieser Reiter-Gattung4) und später ein Dragoner-Regiment in ein solches umgewandelt worden war, erreichte die kaiserlich-königliche Reiterei5) nach dem Hubertsburger Frieden, beziehungsweise im Jahre 1765, dem Zeitpuncte, wo Kaiser Joseph II., als Mitregent der östeireichischen Länder, seine reforma- torische Thätigkeit auf dem Gebiete des Heerwesens begann, die Zahl von 49 Regimentern und zwar: 18 Cürassier-, 11 Dragoner-, 2 Chevauxlegers-, 12 reguläre und 5 Grenz-Husaren-, dann 1 Grenz-Dragoner-Regiment. Die obgenannten Chevauxlegers bildeten nunmehr dieleichte deutsche Reiterei des Heeres6). Bezüglich der Standes-Verhältnisse, die in dieser Periode bei den einzelnen Reiter-Gattungen verschieden wann, ist das Nähere bei diesen aufgenommen. Nach einer Vorschrift vom Jahre 1758 hatte jedes deutsche Cavallerie- Regiment in Hinkunft aus 6 Escadronen zu 2 Compagnien (ä 75 Mann), dann der Grenadier- oder Carabinier-Compagnie als 7. Escadron zu bestehen. Von diesen waren sechs als Feld-Escadronen bezeichnet, die siebente galt als Reserve-Escadron und hatte eine Compagnie derselben hinter der Armee en réserve zu verbleiben, mit der Bestimmung, die Abgänge bei den Ftld- Escadronen zu ersetzen, während die zweite für auswärtige Commandierungen, Bedeckungen von Convois u. dgl. verwendet werden sollte7). In tactischer Richtung wurden diese Escadronen als: ,.Leib-, Oberstens-, Oberstlieutenants-, Majors-, rechte und linke Mittel-Escadron” bezeichnet. Jede Compagnie hatte beständig mit drei Ober-Officieren versehen zu sein, daher für dauernd abgängige Stabs-Officiere und Rittmeister (Hauptleute) ein Capitain-Lieutenant zu ernennen war. *) Durchschnittlich 100 Mann, während er bei den übrigen oft nur 75 bis 80 Mann betrug. 2) Doch erfolgte keine Abgabe von ganzen Compagnien, wie bei der Infanterie, sondern es wurde nur die Mannschaft und Pferde einem oder mehreren Regimentern zugewiesen; die Ofiiciere wurden nominativ dem eigenen oder fremden Regimentern aggregiert. °) Ersteres „Székler-Grenz-Husaren”, letzteres Walachisch.es Dragoner-Regiment-’ genannt. Siehe im Uebrigen den Abschnitt ,,Husaren”, beziehungsweise V. Band, ,,Landesverteidigung”, ,,Die Institution der Militär-Grenze”. 4) Siehe Seite 9, h) Bezüglich der Führung des Titels: ..Kaiserlich-königlich” siehe I. Band, ^Entwicklung des YVehrwesens,” Seite 16. u) Siehe auch Seite 9. 7) Ein grosser Theil dieser Compagnien wurde ausschliesslich zu Garnisonsdiensten verwendet und auch ,,Dopöt-Compagnien” genannt. Die Husaren-Regimenter formierten auch 6 Feld- und 1 Reserve-Escadron. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. III. Bd. 2