Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen

- 16 ­Die Mannschaft trug Camisole aus Tuch oder Leinwand'), die Offi- ciere mit Borten gezierte, mitunter auch gestickte Westen. Cürassiere und Dragoner hatten einen Bei termán tel (Radmantel) von weissem Tuch mit Boy gefüttert (Kragen in der Farbe der Aufschläge, der „Regiments-Farbe”); rothe oder weisse Stiefelhosen, dazu Reiter­stiefel aus Juchtenleder2); bei den Husaren enganliegende ungarische, zu­meist blaue Beinkleider und gelbe lederne Csismen. Halstuch (Halsflor) weiss oder roth; Stulphandschuhe aus Leder, nur hei Cürassieren und Dragonern3). Die Patrontasche wurde an einem breiten Riemen von weissem Leder (Husaren schwarz), über die linke Schulter gehängt, getragen. Statt des Tornisters war bei der Reiterei der Mantelsaek aus rothem (blauem oder weissem) Tuche eingeführt4). Die Hauptwaffe des Reiters bildete der Pallasch, dessen gerade, doppeltgeschliffene Klinge eine Länge von 842 bis 921 Millimetern und eine Breite von 39-5 Millimetern hatte. Bei den Cürassieren war derselbe mit einem complicierten Korbge- fässe5), hei Dragonern nur mit einem Bügel versehen. Die Scheide war aus Holz, mit Leder überzogen, mit Messing montiert und mit einem eisernen Schuh versehen6 *). Die Husaren führten Säbel mit krummer Klinge, einfachem Bügel und Daumenring, gleichfalls in einer Lederscheide. Die um den Leih zu tragende Kuppel war aus gelbem Leder und wurde in vier am Säbel paarweise neben­einander angebrachte Ringe eingeschnallt’). Als Feuerwaffe dienten Carabiner (kurze Musketen), nach Einführung der Flinten auch Flinten-Carabiner, hei den Dragonern Bajonnett-Flinten, dann Pistolen verschiedener Constructionsform8), deren jeder Mann zwei führte. Zu den Ausrüstungsstücken der Officiere und Unterofficiere gehörten, wie bei der Infanterie, der Stock9), zu jenen der Reiterei im Allgemeinen noch die Zelte (ä vier bis fünf Mann), dann die Kochkessel (für jede Kameradschaft einer), endlich das Fouragierzeug (Sensen, Stricke u. s. w.). Von den Estandarten, welche in der Form kleiner waren als die Fahnen der Infanterie, hatte jene der Leib-Compagnie stets weiss zu sein, mit dem Muttergottes-Bild auf einer oder auf beiden Seiten10). Jene der übrigen Compagnien waren in der Farbe auch zumeist weiss oder roth und trugen auf einer Seite den kaiserlichen Adler, auf der anderen ein Wappen oder eine Devise. Die Cürassiere und Husaren führten Pauken und Trompeten"), die Dragoner Trommeln und war die betreffende Mannschaft nach dem Belieben des Inhabers mit einer willkürlichen, gewöhnlich bunteren, reich mit Borten verzierten Bekleidung versehen. Die ziemlich grosse Trompete hatte eine viereckige Trompetendecke aus rother, grüner oder gelber Seide, in welcher der Doppeladler ein­gestickt war. l) Gewöhnlich weiss, oder in der Farbe der Röcke.-) Die Dragoner-Stiefel waren niedriger als jene der Cürassiere. Zur Schonung dieser Fussbekleidung war später gestattet, dass die Mannschaft sich auf Wachen zu Fuss der Schuhe bedienen durfte. 8) Bei der Mannschaft mitunter auch Fäustlinge im Gebrauche. «) Ausserdem wird mitunter auch der ..Quersack” als Ausrüstungsstück genannt. '•■) An demselben befanden sich schon Löcher und Häkchen zur Anbringung von Handriemen, Halteschnüren und Würdequasten (Porte-épée). (Dolleczek, „Monographie der blanken und Feuerwaffen” etc.). ») Nur die Officiere trugen theilweise ganz eiserne Scheiden. ?) Früher wurde der Degen an der Kuppel, über die rechte Schulter gehängt, getragen. ») Im 18. Jahrhundert waren solche mit einer Lauflänge von 27 cm. im Gebrauche. °) Siehe auch I. Band, Seite 39. ly) Khevenhiiller „Observations-Puncte”. u) Ursprünglich hatten nur die Cürassiere das Vorrecht, Trompeten führen zu dürfen. Das Recht, Pauken zu führen und sich derselben arrf dem Marsche zu bedienen, wurde später als eine besondere Auszeichnung einigen Dragoner-Regimentern bewilligt, welche solche in irgend einer Affaire von dem Feinde erbeutet hatten.

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