Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Entwicklung der einzelnen Reiter-Gattungen im kaiserlichen Heere
5 da 1516 in der Hoffahne des Erzherzogs Maximilian noch 500 Speerreiter erscheinen1). Anfangs wurden diese gerüsteten deutschen Reiter nur in einzelnen Fahnen in der Stärke von 100 bis 300 Mann geworben. Sie standen dann unter Commando eines Rittmeisters, dem für je 50 Mann ein Rottmeister beigegeben war. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts treten stärkere Haufen, in mehrere Fahnen gegliedert, unter Commando eines Obristen auf, dem bald auch ein eigener Stab zugetheilt wurde* 2). Die gerüsteten deutschen Reiter fanden ihre Verwendung in offener Schlacht, erscheinen im Garnisonsdienste als Leibgarden der Commandanten fester Plätze und dann natürlich nur in geringer Zahl. Mit den deutschen Reichs - Contingenten erschienen 1596 unter Schwarzenberg die ersten „Cürassiere” nach „niederländischer und französischer” Art gerüstet im kaiserlichen Heere. Dieselben waren mit gutem Cürassschwert, einer starken Pistole, einem kurzen Fäustling und mit ganzen Cürassen, als: Stahlkragen, Helm, Arm- und Beinschienen, Rücken- und Krebsharnisch, bis zu den Knieen gerüstet. Sie unterschieden sich von den deutschen gerüsteten Reitern nur durch den Namen und verschwindet der letztere mit dem Auftreten der Cürassiere rasch3). Diese Cürassiere; treten uns, in Bewaffnung, Rüstung und Verwendung ungeändert, im 30jährigen Kriege gegenüber. Die Aufnahme von Büchsenschützen in den reisigen Zug der Kyrisser, musste bei der zunehmenden Bedeutung der Feuerwaffen dahin führen, eine grosse Vermehrung derselben eintreten zu lassen. Bald zwang aber die Art der Verwendung der Büchsenschützen im Gefechte dazu4 5), dieselben in eigene Abtheilungen zu formieren. Diese erscheinen Anfangs als Bestandtheil des Haufens der gerüsteten Reiter, später aber als eigene selbstständige Haufen6). Als solche erscheinen sie unter dem Namen „berittene Schützen”. Ueber die ursprüngliche Ausrüstung dieser berittenen Schützen (Schützenpferde) ist nichts zu ersehen. Wahrscheinlich war diese conform jener der deutschen Reiter, da in den vorliegenden Bestallungen kein Unterschied in dieser Richtung gemacht wird. Als Schiesswaffe führten sie wohl die Muskete. Nach der Vereinigung in eigene Haufen treten nur einzelne Fahnen von Schützenpferden auf, erst 1570 erscheinen unter dem Herzog von Mecklenburg mehrere Fahnen in einen Haufen vereinigt. Schon 1572 wurden diese deutschen Schützenpferde durch die Einführung der „burgundischen” (gentischen) Schützenpferde, „Arque busiere zu Ross” genannt, verdrängt. Die Bewaffnung dieser, welche als leichte Reiter bezeichnet wurden, bestand aus einem Halbhaken, einer kurzen Feuerbüchse, einem Sturmhute und, wie es scheint, nur aus einem Brustharnisch6). Im Jahre 1686 verschwinden diese burgundischen Arquebusiere als solche und entstehen aus und statt ihnen die „deutschen Arquebusiere”. Diese führten statt der Halbhaken ein langes Rohr, hatten zwei kurze Feuer*) In einigen Bestallungen aus dem Jahre 1556 besteht der Haufen aus Schützen und Spiessern.-) K. A., Bestallungen 1556, 20. :!) Der Wortlaut der Bestallung auf ..Cürassiere” statt auf ..deutsche gerüstete Beiter” ist fast nur eine Accomodation an den herrschenden Sprachgebrauch, denn in Wirklichkeit war nach dem Verschwinden der Lanzen bei den letzteren, mit Ausnahme der Stichwaffe, nahezu kein Unterschied zwischen Beiden. *) Die Büchsenschützen ritten zuerst an den Feind, feuerten ihre Büchsen ab und schwenkten dann beiderseits aus, benöthigten also eines starken Rückhaltes, um nicht in diesem Momente verfolgt und zusammengehauen zu werden. 5) In gemischten Haufen variiert der Percentsatz der Büchsenschützen zwischen 50 und 75 Percent. Als selbstständige Haufen zuerst 1557. K. A.. Bestallungen 1557, 44. 6) K. A.. Bestallungen 1594. 412, sagt wenigstens Obrist Dohna, dass die Arquebusiere früher nur mit Brustharnisoh verwahrt waren und geringe Pferde ritten.