Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Entwicklung der einzelnen Reiter-Gattungen im kaiserlichen Heere

— 6 buchsen, Sturmhut, Panzer-Aermel, Rüchen- und Krebsharnisch. Diese zählten wieder zur schweren Reiterei1) und behielten ihre Ausrüstung auch während des 30jährigen Krieges. Die Arquebusiere mussten nicht vom Adel sein, doch waren stets Adelige unter ihnen, welchen das Recht eingeräumt war, zwei Pferde zu halten. Der Knecht hatte aber dann gleich dem Herrn gerüstet zu sein. Die Arquebusiere wurden Anfangs in kleineren Haufen zu 50, 100, 125 Mann geworben, erst seit 1591 in grösseren Haufen von 600 bis 1000 Mann und wurden dann von Obristen befehligt, welchen ein eigener Stab bewilligt wurde. Der Haufen wurde als Fahnen oder Gesellschaften bezeichnet und trug, besonders an den Grenzen, häufig Röcke (Cosäcken), welche nach Bestimmung des Commandanten und kaiserlicher Bewilligung verschiedene Farben führten. Darnach werden die einzelnen Haufen als die Gesellschaft der: Weissröckler, Gelbröckler etc. bezeichnet. Mit der Errichtung grösserer Haufen* 2 *) geschah die Eintheilung derselben in Compagnien und seit 1596 in Cornets8). Fanden die Büchsenschützen und die Schützenpferde ihre Verwendung in offener Feldschlacht, so wurden im Gegentheile die burgundischen Arquebusiere zu­nächst nur in Garnisonen der ungarischen Grenze und im Grenzkriege ver­wendet; erst die deutschen Arquebusiere, sobald sie in grösseren Haufen ge­worben werden, erscheinen wieder am Schlachtfelde. Die Arquebusiere waren gewohnt in jeder Gangart zu schiessen, wurden am Marsche im Vor-, respective Nachtrabe zu Recogijoscierungen, dann zur Sicherung auf Märschen und im Lager verwendet, dessgleichen zu Convois, zur Einnahme und Besetzung von Pässen, sowie endlich in der Schlacht. Die dritte Reiter-Gattung, deren Princip in der Institution Kaiser Maximilian’s gegeben erscheint, sind die „leichten Reiter” (ringe Pferde)4). Dort werden sie durch die leichter gerüsteten Knappen der Kyrisser re­präsentiert, welche einen Reisespiess trugen. Diese dürften mit der zunehmenden Erkenntniss der Bedeutung einer leichten Reiterei, zur Schaffung und Ar­mierung der „schwarzen Reiter” geführt haben, welche uns nach der Mitte des 16. Jahrhunderts auch in Oesterreich entgegentreten5). Sie er­scheinen hier nach den vorliegenden Bestallungen zuerst 1571 und finden sich bis 1596. Ihre Bestimmung war für die Grenzorte und Landstriche. Anfangs treten sie in kleineren Abtheilungen von 20 bis 50 Mann auf, 1591 waren sie in einem grösseren Haufen mit mehreren Fahnen vereint, beim Angriffe auf Novigrad und 1596 vor Hatvan. Nach einem vorliegenden Bestallungs-Entwurfe vom Jahre 15936 *) sollten sie bei 1000 Pferden in 4 Fahnen, bei 500 Pferden in 2 Fahnen, bei 300 Pferden in eine Fahne getheilt werden. Für je 50 Mann war ein Rott­meister bestimmt. Grössere Haufen commandierte ein Obrist, welchem ein Stab beigegeben war. Soweit die Reiter-Gattungen, welche uns seit Maximilian’s Kyrissern im österreichischen Heere gegenübertreten. ') K. A., Bestallungen 1622, 1273. 2) Auch bei der Werbung grösserer Haufen sind die Theile des Haufens mit yer- schiedenen Röcken bekleidet. So die von Kollonits 1596 geworoencn 700 Arquebusiere, unter denen es Gelb-. Blau-. Roth-. Feyelbraun-. Grün- und Weiss-Röckler gab. 8) Kaiser Rudolph führte bei der Cavallerie statt der Fahnen die Cornete ein. á) Unter ringen (geringen) Pferden verstand man schwächere, leichtere, flüchtigere Pferde und damit auch leichter gerüstete, beweglichere Reiter. Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatte auch die schwere Cavallerie leichtere Pferde als vorher; die ..schweren Gäule” sind gänzlich verboten, die vorschriftsmässigen Pferde sind ..gute, starke Rittlinge”; der Unterschied, ob man die Cavallerie leicht oder schwer nannte, lag da­mals schon vornehmlich in der Armierung des Reiters, obwohl der Ausdruck geringe oder leichte Pferde beibelialten wurde. 5) Zuerst erwähnt sie Avila im schmalkaldisclien Kriege. Sie hiessen nach ihrer Rüstung ,,schwarze Reiter”. Diese bestand aus einem Harnisch mit Schuppenärmeln, einem schuppenbedeckten Blechhelme und einem Jagdspiesse, nebst einem Gewehre von einer Spannenlänge. (Avila, lateinische Ausgabe von Steels, 1550.) ') K. A., Bestallungen 1598, 457.

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