Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

Simon Reuiger von Reningen. 109 Vasli Pascha, welcher des Sultans Schwester gehabt, der Kopf abgeschlagen und sein Körper vor das Serail geworfen worden. Er hatte sich zwar mit seinen Völkern moviert, dieselben auch bereits nach Konia gebracht und nach Adrianopel schicken wollen, sich selbst zu stellen trug er jedoch allerhand Be­denken, bemühte sich, seine Sache in der Güte durch Geld zu richten, wovon der Gross-Vezier aber nichts hören, sondern seine Person, allennassen es die Schuldigkeit erfordert, selbst haben wollen, welches ihm, Hassan-Aga, desto fremder vor­gekommen, daher er sich öffentlich nicht des Sultans, sondern des Gross-Veziers Feind erklärt, mehr Volk geworben und des Gross-Veziers, wie nicht weniger des Mufti Kopf begehrt, worauf sieh aber der Gross-Vezier nicht gekehrt, sondern mit grosser Solennität zu Feld gegangen, allwo er unter Zelten nächst dem Serail an vierzig Tage gehalten und die Miliz erwartet. Es hatten zwar die Spahis dazumal einen Rumor ange­fangen und den Gross-Vezier unversehens im Zelt überfallen wollen, so ihnen aber nicht reüssiert, denn gleich der Jani- tscharen-Aga mit einer Anzahl Janitscharen zu Hilfe gekommen, also dass die Spahis weichen müssen und die Rädelsführer dort an der Stätte erwürgt worden. Eben damals war ein Franzose aus Candia gekommen und zum Türken geworden, welcher, weiss nicht aus welcher Ursache, vorgegeben, der Sultan hätte keinen grösseren Spion in seinem Reiche als den französischen Botschafter, massen er dann noch zu Smyrna den Metropoliten von Mylos, welcher mit ihm aus Candia abgereist, verrathen, dass er von den venezianischen Generalen ein Packet Briefe an den französischen Botschafter mithabe. Also dass man den Metropoliten gleich besucht, die Briefe gefunden und sammt dem Franzosen nach Adrianopel geschickt, allwo man das Packet eröffnet, aber die Ziffern nicht lesen können, daher man nach Constantinopel um des Botschafters Secretäre geschickt; der jüngere, so die Ziffern verstanden und dessen sich der Botschafter bei Geheimnissen bediente, hatte sich salviert, der andere, so Secretarius legationis und ein alter, betagter Mann, auch viele Jahre an der Pforte gewesen, hatte eilends nach Adrianopel müssen; als er sich

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