Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
110 VeltzÄ. aber entschuldigt, dass er die Ziffern nicht verstehe und solche allein dem Botschafter und seinem Sohne bekannt, ist er in publico vor dem Gross-Vezier übel mit Maulschellen tractieret, interim in Arrest gehalten und alsbald ein anderer Tschausch um des Botschafters Sohn nach Constantinopel geschickt worden; dieser hatte sich zur Ankunft ebenmässig entschuldigt, dass er die Ziffern nicht verstehe, daher auch er, wie der Secretär, spöttisch mit Maulschellen empfangen und sammt ihm, mit noch zwei anderen von Adel, in einen tiefen abscheulichen Thurm, wo sonst seit Mannes Gedenken keine Malefiz-Person gewesen, gelegt worden; worin sie zwar nur zwei Tage und Nächte gelegen, dann gute Freunde so viel erhalten, dass man sie eben im selben Thurm obenauf, neben anderen Gefangenen liegen lassen. Endlich war der Botschafter selbst gekommen, dem ingleichen die Ziffern zu lesen gegeben worden, welche er mit sich nach Hause zu nehmen und dort zu dechiffrieren versprochen, so der Gross-Vezier aber nicht hören wollen, wie er dann gleich aufgestanden und den Botschafter in seinem Allogement hierüber arretieren lassen. Im Monate Juni hernach war der Gross-Vezier mit ungefähr 30.000 bis 35.000 Mann von Adrianopel aufgebrochen und gerade nach Temesvär marschiert. Die erste Eroberung in dem siebenbürgischen Gebiete war Jenö, welches gleich mit Accord übergegangen, die andere wäre Wardein gewesen, wann er wegen des Hassan-Aga und wegen der Devolution in Asien nicht eilends zurück hät'te müssen; denn ihm ein Hattischerif über das andere gekommen, er sollte Alles stehen lassen und mit der Armee von Stund an zurück marschieren, welches ihm die ferneren Progressen verhindert und gezwungen, dass er das siebenbürgische Wesen gleichwohl taliter qualiter in ruhigem Stande gelassen, aus den siebenbürgischen Gesandten einen, nämlich den Achaz Barcsay, zum Fürsten gesetzt, welcher ihm 40.000 Ducaten Tribut, für die Kriegs-Unkosten aber 500.000 Thaler versprochen und noch dies eingestehen müssen, dass man sich der Festungen Jenö, Lugos, Sebes und der hiezu gehörigen Dörfer weiter nicht anmassen, sondern Alles völlig der Pforte lassen wolle; auf dies hatte der neue Fürst solenniter schwören, vier aus den