Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 89 War also Jean Debry wirklich im Walde, wie ist es möglich, dass er diese Freunde, die ihn mit lauter Stimme riefen, nicht sah und nicht hörte1)? Ist es gegenüber diesen Widersprüchen, Räthseln und Unwahrheiten in den Erzählungen D ebry’s, des Hauptzeugen in dieser Affaire, gestattet, ihnen Glauben zu schenken? Wir gehen weiter. D ebry selbst gibt an, er habe bei seiner Rückkehr nach Rastatt an dem Mordplatze »einzelne Personen« gesehen, die sich bei seiner Annäherung entfernten. Das ist falsch. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Augenzeugen standen bereits am frühen Morgen eine grosse Menge Neugieriger dort, was auch vollständig begreiflich ist, da ja das Ereigniss in Rastatt geradezu ungeheuerliches Aufsehen erregt hat und erregen musste. Diese Aussage Debry’s widerspricht aber auch, wie bereits erwähnt, seiner im »Authentischen Bericht« wiedergegebenen Erzählung. Dieser Bericht weiss nichts von den zwei Personen, die ihn begleitet haben sollen, sondern behauptet, dass Debry sich gerade »unter dem zusammengedrängten Volke« verborgen habe und auf diese Art in die Stadt gelangt sei. Was hat nun Debry gesehen — dicht zusammengedrängte zahlreiche Menschen oder einzelne Personen? Wenn Debry behauptet, er habe bei seiner Rückkehr nach Rastatt die Leichen seiner beiden unglücklichen Collégén gesehen, »ganz nackt und abgewaschen«, so sagt er auch hier die Unwahrheit. Nach dem amtlichen, an Ort und Stelle aufgenommenen »Inspections-Protokoll« war die Leiche des Ministers Roberjot bis auf einen Fuss vollständig, diejenige Bonnier’s mit Weste und Hemd bekleidet2)! Bei Rastatt angelangt, passierte Debry, wie bereits nach seinen Aussagen erwähnt, das von Szekler-Husaren besetzte ') Selbst Obser, der, vielleicht im Eifer der Polemik gegen Böthlingk, sich zu fast leidenschaftlicher Yertheidigung Debry’s hin- reissen lässt, muss zugeben, dass die Erzählung dieses Gesandten über seinen Aufenthalt in der Nacht vom 28. zum 29. April »nicht genügend aufgeklärt erscheint«. (Zeitschr. f. d. Gesch. d. Ober-Rheins. N. F., IX. Bd. 49 ff.) 2) Autli. Bericht, 35.