Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

90 Criste. Thor und eilte in das Haus des preussischen Gesandten Grafen Görtz. Hiebei fällt auf, dass Debry, der in allen seinen Aussagen nicht genug betonen kann, welcher Schauer und welche Angst ihn beim Anblick eines Szeklers geschüttelt; der auch am 29. Mittags, da er unter Escorte österreichischer und badischer Husaren, unter Begleitung des Majors Harrant und des preussischen Legations-Secretärs Jordan die Reise an den Rhein antrat, gefürchtet haben will, von den Szekler- Husaren ermordet zu werden ; der in einem jeden dieser Leute einen der Mörder gesehen haben will; dass Debry, sagen wir, den geradezu heroischen Muth fand — ob allein, ob in Begleitung zweier gutmüthiger Landleute, bleibt sich gleich — zwischen »zwei Posten« oder, besser gesagt, bei einer Wache vorüberzugehen, die doch aus denselben gefürchteten Szeklern bestand? Es scheint doch, dass Jean Debry diese Leute weder gefürchtet, noch verabscheut hat, sonst hätte er wohl auch auf anderen Wegen in das Haus des Grafen Görtz gelangen können. Dass man nach Rastatt kommen konnte, auch ohne die Thorwachen zu passieren, das haben, wie wir noch sehen werden, die Personen aus dem Gefolge Debry’s sehr genau gewusst. Uebrigens werden wir noch weiterhin sehen, dass die Szekler-Husaren thatsächlich auch anderen, von Natur aus ängstlicheren Leuten als Jean Debry nichts weniger als »fürchterlich« erschienen! Zum Schluss noch eine Bemerkung, die geeignet ist, das ganze Benehmen Jean Debry’s zu charakterisieren. Im Hause des Grafen Görtz angelangt, wirft sich dieser Mann, der bis­her in der auffallendsten Art seinen Atheismus zur Schau getragen, auf die Kniee, erhebt die Hände gen .Himmel und ruft: »Divine providence! si j’ai méconnu tes bienfaits jusqu’ici, pardonne!« Das ist nicht nur comödiantenhaft, das ist innerlich unwahr! Ein Mensch, der soeben einer furcht­baren Gefahr entgangen ist, ruft kaum, wie ein geschminkter Held Corneille’s die »divine providence«, sondern aus dem ge- ängstigten Herzen einfach und natürlich »Gott« an. Was die anderen Aussagen bezüglich des Ueberfalles auf Frau Debry anbelangt, so kommen natürlicher Weise nur

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