Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

88 Criste. harmlosen Contusionen bedacht wurde, während man seine beiden Collégén förmlich zerhieb? Ob nun Jean Debry die Nacht auf einem Baume, in einem Gebüsche oder sonst wo zugebracht haben mag, ist schliesslich gleichgiltig; Thatsache ist, dass er sich in seinen Angaben darüber direct widerspricht; dass er, genau genommen, nicht angeben kann oder will, wo er die Nacht über gewesen. Während er nämlich, wie bekannt, behauptet, dass er nicht nur die Nacht im Walde zugebracht, sondern auch gegen Morgen umherstreifende Husaren gesehen hat, welche »Vé­detten ausstellten«, erzählt der »Authentische Bericht«: es hätten noch in der Nacht einige Diplomaten den Rittmeister Burkhard gebeten, dem badischen Major Harrant eine Escorte zu bewilligen, damit er mit ihr nach Jean Debry suchen könne, der vielleicht noch am Leben sei. »Der mit­unterschriebene Reichsgraf von Solms-Laubach erbot sich, ihn zu begleiten und mit seiner, dem französischen Minister bekannten Stimme, dessen Namen zu rufen. Der Rittmeister bewilligte die Escorte und gegen Anbruch des Tages, Morgens um 4 Uhr, ritten der Graf Solms, der Major von Harrant nebst zwei badischen Husaren unter Escorte von einem kaiserlichen Corporal und einem gemeinen kaiserlichen Husaren, ab und durchsuchten die ganze Gegend und besonders das Holz bis nach Steinmauern und Plittersdorf. Sie hatten nicht das Glück, den Minister Jean Debry zu finden, aber sie erfuhren einige zur Aufklärung dieser Ge­schichte höchst erhebliche Umstände. Wie nämlich der Major von Harrant sich bei dem Schulzen in dem Dorfe Rheinau nach irgend einer Spur erkundigte und dessen Nachforschung aufgab, erfuhr er, dass auch die kaiserlichen Husaren dort bereits eben diese Erkundigung nach einem sich geflüchteten blessierten Franzosen, an dessenWiedereinbringung ihnen Alles gelegen, angestellt, dabei aber ausdrücklich und angelegent­lichst verlangt hätten, wenn man diesen, von ihnen nach seinem Aeusseren und Kleidung beschriebenen Franzosen fände, solle man ihn ja nicht nach Rastatt, sondern um die Stadt herum auf einem bezeichneten Weg zu ihnen nach Muggensturm bringen, oder ihn nur sicher verwahren und melden, dass sie ihn abholen könnten.«

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