Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

424 Criste. »Annahme« muss ein verständiger sachlicher Forscher wenigstens einen Schein einer sachlichen Unterlage haben. Welche Spur irgend eines Anhaltspunctes aber kann denn aufgewiesen werden für eine Verbindung Burkhard’s mit etwaige Bestechungen versuchenden Emigranten? Solche »An­nahmen« sind einfach haltlose Verdächtigungen, die in jeder Form und in jeder Art gegen jeden beliebigen Mann ge­schleudert werden können. Nicht die Unschuld ist hier nach­zuweisen, sondern die Schuld und das obliegt Denen, welche eine solche Verdächtigung aussprechen. Sie sind es, welche die historischen Belege vorzubringen haben. In diesem Falle aber giebt es keine. Erinnert man sich, mit welchem Feuereifer, mit welcher Leidenschaftlichkeit fast und Entrüstung man einen Historiker bekämpft hat, der es gewagt, . eine allerdings etwas zweifel­haft fundierte Hypothese aufzustellen, die sich nicht mehr hartnäckig gegen die Szekler-Husaren, sondern gegen Jean Debry und weiterhin Bonaparte als Urheber des Mordes richtete1); beachtet man, mit welchen Vorwürfen dieser Historiker überhäuft wurde, weil er die gegen Debry erhobene Anklage nicht besser begründet: so muss es billig Wunder nehmen, dass man anderseits ruhig Beschuldigungen erhebt gegen Szekler- Officiere, die, wie gerade Fontana, nach dem vorliegenden Beweismaterial noch viel weniger mit dem Rastatter Gesandten- Mord in Zusammenhang gebracht werden können, als Jean Debry, dessen Verhalten in der Nacht vom 28. April und auch später ebenso bedenklich und räthselhaft ist, wie jenes der französischen Bedienten. Liegen denn etwa gar so gewichtige Documente im Karlsruher Archiv, dass von ihnen, um jeden Preis, selbst jede kaum betretene Fährte abgelenkt werden muss? und der ganze Vorgang gegen Böhtlingk muss ja in etwas misstrauischen Gemiithern diesen Gedanken geradezu herausfordern. Es liegt nicht der mindeste Anlass für uns vor, Stellung zu nehmen für oder gegen eine der vielen wenig stichhältigen J) Böhtlingk, Napoleon Bonaparte. Seine Jugend und sein Ernpor- kommen. Jena 1880.

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