Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Beitrüge zur Geschichte des Ras tatter Gesandten-Mordes. 425 Hypothesen über deix Gesandten-Mord, also auch nicht für oder gegen diejenige Böhtlingk’s; anderseits soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass die Heftigkeit, mit welcher die Hypothese dieses Historikers von Seite der Kritik angegriffen wurde und die Schwierigkeiten, welche man ihm für die Archiv- forschüng gemacht hat, einiges Befremden erregen müssen. Wesshalb, muss man sich fragen, wurde diese Hypothese allein aus dem Werke Böhtlingk’s herausgegriffen und mit einem Aufwand von Eifer vernichtet, der in gar keinem Verhältniss steht zu der an und für sich geringfügigen Sache, die doch mit wenigen Worten als unhaltbar bei Seite geschoben werden konnte? Die Literatur über den Gesandten-Mord verfügt bekanntlich über viel unwahrscheinlichere Hypothesen, warum erregte gerade diese so sehr die Entrüstung der Kritik? Bios desshalb, weil sie annahm, dass nicht nur die Urheber des Mordes, sondern auch die Thäter selbst anderswo zu suchen seien, als in österreichischen Regierungs- und Armeekreisen ? Wir wissen es nicht. Macht die Methode, eine jede Hypothese, die nicht un­bedingt gegen die Szekler-Husaren gerichtet ist, mit den schärfsten Waffen zix bekämpfen, nicht förmlich den Eindruck, als fürchte man das Ergebniss einer anders gearteten Forschung ? als sei man ängstlich bemüht, jedes Forschen unmöglich zu machen, sobald es den Umkreis des Szekler-Husaren-Lagers vei’lässt ? als fürchte man, dass ein Suchen nach anderer Rich­tung unangenehme Resultate zu Tage fördern könnte ? Das gegenwärtig bekannte Actenmaterial überden Gesandteix - Moi’d bietet allerdings noch wenig Anhaltspuncte, um die Spuren der wirklichen Mörder der französischen Minister, der wirklichen intellectuellen Urheber dieser blutigen That zu verfolgen — aber wo ist denn der Beweis, dass alles vor­handene Actenmatex-ial über den Gesandten-Moi'd auch überall wirklich bekannt gemacht worden sei; dass nicht noch manches Schriftstück, das Licht über diese Frage vei'breiten könnte, im Dunkel irgeixd welcher Archivräume schlummert? Auch nach dem »Viliinger Protokoll« wurde hundert Jahre lang vergeblich gesucht und jetzt erst ist es gelungen, dieses und manch’ anderes auf das Ereigniss vom 28. April bezügliches Schriftstück an den Tag zu fördern.

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