Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

148 Criste. mal mit starker und rauher Hand Wahres vom Falschen, Mögliches vom Unmöglichen scheidet, sie sollte doch gefeit sein vor solch unsinnigem Anecdotenkram. Die Literatur über den »Rastatter Gesandten-Mord« hat diese sonst so selbstver­ständlich scheinende Voraussetzung nicht bestätigt. Es ist doch wohl klar, dass die Szekler-Husaren, wenn sie die Mörder waren, gerade das Entgegengesetzte von dem gethan haben würden, wasLaublin sie thun lässt; ob sie in Folge eines Befehles oder aus eigenem Antrieb den Mord ver­übt hätten, jedenfalls würden sie sich gehütet haben, mit ihrer That zu prunken und den braven Bewohnern von Rastatt ihre Säbel, »die noch vom Blute gefärbt waren« (!), zu zeigen. Wir fürchten eine Geschmacklosigkeit zu begehen, wenn wir uns weiter mit dieser von ausgesprochener Dummheit oder Bosheit dictierten Anecdote beschäftigen. Weniger unsinnig und desshalb schon glaubwürdiger klingt die, vorsichtiger Weise unter die »Zusätze« verwiesene Angabe des »Authentischen Berichtes«, die Husaren hätten Werthsachen, die aus dem Besitz der Ermordeten her­stammten, verkauft. Allerdings ist der Ursprung dieser Angabe, die an und für sich durchaus nicht beweist, dass die Szekler gemordet hatten, nachzuweisen, was nicht zur Erhöhung ihrer Glaubwürdigkeit beiträgt. Sie stammt nämlich von dem preussischen Gesandten Dohm her1), dem Verfasser des »Authentischen Berichtes«, dessen Authenticität, wie bereits dargelegt, ebenso fraglich ist, als die Unbefangenheit und Objectivität seines Verfassers. Nichtsdestoweniger kann ruhig zugegeben werden, dass Szekler-Husaren wirklich solche Effecten in Rastatt verkauft haben könnten. Was ist damit bewiesen? Vor Gericht befragt, ob seine Husaren von den Wagen der Gesandten nicht etwas »mitgenommen« hätten, verneint Rittmeister Burkhard, fügt aber hinzu: »Die Wagen sind bei der Nacht nach Rastatt gekommen, wo bei dem ungemein grossen Zusammenlauf von Menschen sich mancher Arme nicht wird vergessen und auch von der Dienerschaft, ohne dass man es merken konnte, in den einen *) *) Bericht Dohm’s vom 8. Mai. Hüffer, Diplomatische Verhand­lungen, III, 327.

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