Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 149 oder anderen Wagen hineingelangt und auch Manches heraus­genommen haben wird!« Des Mordes an den französischen Gesandten können wir die Szekler-Husaren wahrlich nicht beschuldigen, glauben jedoch ihnen nicht allzu sehr Unrecht zu thun, wenn wir auch unter ihnen einige »Arme« vermuthen, die gelegentlich in »den einen oder andern Wagen«, vielleicht sogar in die eine oder andere Tasche »hineingelangt« haben. Möglich wäre nicht minder, dass irgend ein Husar, der an der Stelle der Mordthat eben mit den Andern die Wagen bewachte, sogar auf der Strasse etwa eine einem der Ermordeten gehörige Uhr gefunden und sie in seine fernere Obsorge genommen habe. Man darf desshalb nicht allzu streng mit den wilden Szeklern in das Gericht gehen, kommen derartige Annexionen fremden Eigenthums doch auch in ganz modernen Kriegen vor! Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass hie und da Einer eine der­artig erwirthschaftete Uhr u. dgl. gelegentlich in Rastatt selbst an vertraute Personen verkauft hat; dass diese es dann weiter­erzählten und dass auf diese Art das Gerücht, entsprechend vergrössert, immer weiter wanderte. Gerade der Umstand, dass die Szekler-Husaren sich unschuldig an dem Morde wussten, durfte sie dreist machen und sie das Wagniss unternehmen lassen, selbst unrechtmässig erworbenes Gut ungescheut zu verkaufen. Daraus schliessen, dass sie die Mörder waren, heisst doch der Logik in das Gesicht schlagen! Uebrigens müssen wir hier schon eine Frage aufwerfen, die sich uns später immer häufiger aufdrängen wird: wo war denn die badische Polizei, die es duldete, dass Rastatter Einwohner »ungescheut« ge­stohlenes Gut von Mördern kauften und ebenso »unge­scheut« davon erzählten ? Einerder absurdestenAnecdoten legten manche Historiker, darunter auch Sybel, besondere Bedeutung bei. Es ist die von dem Schiffer Zabern erzählte. Schon das allergeringste militärische Verständniss genügt ja, um die ganze Unhaltbar­keit dieser schlecht erfundenen Fabel zu erkennen ; sie enthält aber auch notorische Lügen. Man muss gar nicht selbst Soldat gewesen sein, um die Behauptung, ein Oberst, ein Auditor- Lieutenant, ein Unter-Lieutenant und 16 Husaren hätten sich, so erzählt bekanntlich Zabern, zu Pferd gesetzt und beim

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