Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

134 Criste. bald zu ihrer eigenen Beschämung gereichen werden, da es immer mehr Wahrscheinlichkeit gewinnt, dass nicht kaiser­liche Soldaten, sondern unbekannte und allem Anscheine nach selbst Franzosen die Urheber der vorgefallenen Gräuelthaten sind *).« Fand also während der Reise der preussischen Gesandten der »Authentische Bericht«, der sich begreiflicher Weise möglichst objectiv darzustellen suchte und dessen Herausgeber versicherte, »dass es dabei einzig und allein auf historische Wahrheit und sorgfältigste Genauigkeit ankam, um zu ver­meiden, dass keine dunklen, unvollständigen oder schwankenden Nachrichten verbreitet würden,« einen gründlichen und ver­ständigen Commentar, so säumte man preussischerseits auch nicht, die Presse auszunützen, um jedem auf Vertheidigung der österreichischen Regierung und der Szekler-Husaren hin­zielenden Versuch entgegenzuarbeiten. In dieser Beziehung machte sich besonders die im Dienste Preussens stehende, in Ansbach erscheinende »Deutsche Reichs­und Staats-Zeitung« hervorragend bemerkbar, deren Heraus­geber Davidsohn — oder Lange, wie er sich später nannte —■ eine Anzahl Aufsätze über den Gesandten-Mord brachte, die nachweisbar auf Mittheilungen der Herren von Dohm und Görtz beruhten. Unter diesen Aufsätzen zeichnete sich besonders einer aus, den das 38. Stück vom 10. Mai 1799 brachte und worin, wie Minister Thugut dem österreichi­schen Geschäftsträger in Berlin, Hudelist, schrieb: »nicht nur mit einer Gehässigkeit, Bitterkeit und Ungebundenheit, wie dies mitten im Krieg kaum von einem französischen Blatt zu erwarten war, sondern mit einer Frechheit, die alle Vor­stellung übersteigt, sogar der k. k. Hof als Veranlasser des Meuchelmordes angegeben« wurde 2). Aber nicht nur durch bezahlte Federn suchte man Alles, was etwa für die Schuldlosigkeit der österreichischen Regie­rung und der Szekler-Husaren sprach, zu widerlegen, Dohm selbst verschmähte es nicht, in Häberlin’s »Staats-Archiv«8), J) Haus-Hof- und Staats-Archiv. Wien, 11. Mai 1799. 2) Helfert, a. a. 0., 125. s) Staats-Archiv. Angelegt und geordnet von dem Geheimen Justiz­rath Häberlin zu Helmstedt. Jahrg. 1799, IV. Band, 14. St., 258 ff.

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