Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

130 Criste. Was nun den »Authentischen Bericht« anbelangt, so beruht er ausschliesslich auf den Erzählungen des durch »ein Wunder« entkommenen Jean Debry, dann Einzelner jener Personen, die während des nächtlichen Ueberfalles auf dem Schauplatze waren. Dass dieser Umstand allein genügt, die Authenticität des Inhaltes dieser Schrift in Frage zu stellen, bedarf nach dem bereits Gesagten keines Beweises; noch bedenklicher aber wird der Inhalt dieses »Documentes«, wenn man die Person und die Gesinnungen seines Verfassers einer aufmerksameren Prüfung unterzieht. Dieser, der preussische Gesandte von Dohm, war in Gemeinschaft mit seinem Collégén, dem Grafen Görtz, von allem Anfang an mit geradezu fieber­hafter Geschäftigkeit bemüht, das blutige Ereigniss politisch auszubeuten, gegen Oesterreich zu hetzen und jedem Versuch, die angeklagten kaiserlichen Husaren von dem Verdacht zu reinigen, entgegenzuarbeiten. Als D ohm auf seiner Heimreise nach Pforzheim kam, wo er einige Zeit zu verweilen sich vor­genommen hatte, spielte er jetzt den Eilfertigen, »denn nach solchen Vorfällen könne man sich hier nicht aufhalten. So lange wir noch solche Uniformen um uns sehen«, setzte er mit gleissnerischer Unruhe hinzu, indem er auf vorübergehende österreichische Soldaten wies, »halten wir uns unseres Lebens nicht sicher«. Und einige Postmeilen weiter, in Aalen, bezeich- nete er geradezu seinen ehemaligen Hastatter Genossen, den Grafen Lehrbach, als den moralischen Urheber der That, dem es darum zu thun gewesen sei, »das französische Gesandt­schafts-Archiv zu erbeuten, um sich über die von den Fran­zosen in Süd-Deutschland geplante revolutionäre Verschwörung und über die alemannische Republik zu unterrichten1)«. Dohm fand in seinen Bestrebungen die lebhafteste Unter­stützung auch seiner Collégén, des Grafen Görtz und dessen Schwiegersohnes, des bayerischen Gesandten Freiherrn von Rechberg, einen der Mitunterfertiger des »Authentischen Berichtes«. Auf dem ganzen Wege von Karlsruhe liess Graf Görtz es sich angelegen sein, den Rastatter Vorfall zu Un­gunsten Oesterreichs auszubeuten, indem er der Sache den Schein gab, »als wenn zu diesem Ereigniss selbst ein stiller *) *) Helfert, Der Bastatter Gesandten-Mord, 123, 124.

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