Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 131 eigener Befehl von dem kaiserlichen Hof vorhanden gewesen wäre1)«. In Augsburg, wo Graf Görtz in Begleitung seines Schwiegersohnes am 3. Mai durchreiste, erzählten beide »in den unbescheidensten Ausdrücken und in dem falschesten Colorit die Ermordungsgeschichte * 2)« und Ersterer stellte sich dabei so an, als ob Graf Lehrbach ihm auszuweichen suche, wesshalb dieser ihn, als er in München erschien, geflissentlich in der Gesellschaft aufsuchte 3). Dass übrigens Graf Görtz selbst Eälschungen nicht scheute, um die. Schuld der österreichischen Hitsaren und die der österreichischen Regierung nachzuweisen, lässt sich an einem Vorgang ersehen, der zugleich Gelegenheit bietet, eine etwas mysteriöse »Belauschungsgeschichte« zu erwähnen, die eine grosse und für manche Historiker verliängnissvolle Rolle in der Literatur über den Gesandten-Mord gespielt hat. Graf Lehrbach war, mit einem grossen Lieferungsgeschäft für die kaiserliche Armee betraut, Ende April von Augsburg nach München gereist und hatte dort in einem Gasthofe "Wohnung genommen. Auf Veranlassung der bayerischen Regierung wurde nun, so wird erzählt4), ein Beamter (oder zwei?) in ein Nebenzimmer einquartiert mit dem Aufträge, die Gespräche Lehrbach’s mit seinem Secretär Hoppe zu belauschen und niederzuschreiben. Die »Protokolle« über diese belauschten Gespräche liegen jetzt gedruckt vor5) und enthalten thatsächlich manche Kleinigkeiten, die nur auf vertraulichem Wege erlangt werden konnten — nichtsdestoweniger bleibt die Erklärung über die Art der Entstehung dieser »Protokolle« höchst mysteriös. Dass es gar so leicht gemacht werden konnte, eine immerhin nicht unbedeutende Person, wie Graf Lehrbach war, der doch wohlmehrere Zimmer im Hőtel bewohnte, ganz gemüthlich und ungestört Stunden b Schreiben des Churfürsten von Trier. Helfert, a. a. 0.,.124. 2) Haus-Hof- und Staats-Archiv. Graf Fugger an den kaiserlichen Commissär Hügel. Augsburg, 3. Mai 1799. 3) Helfert, a. a. 0., 124. 4) Vgl. Sybel, Historische Zeitschrift, 39. Band, S. 46 ff. Hüffer, Diplomatische Verhandlungen, III, p. 345. 5) Historische Zeitschrift, 39. Band. 9*