Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
120 Criste. Was das Verhalten der auf dem Schauplatz der That erschienenen fremden Personen anbelangt, lauten die Aussagen der Franzosen ganz verschieden. Belin sagt bekanntlich, er sei aus dem Wagen gerissen, in einen Graben geworfen, geschlagen und getreten worden. »Mein Hut war zehn Schritte von mir niedergefallen,« erzählte er gleich darauf weiter, »als ich nach ihm fragte, oder vielmehr zu verstehen gab, dass ich ihn suchen wolle, führte man mich dahin!« Dann will Belin wieder gepackt und »in die Höhe gehoben« worden sein, um Zeuge der Niedermetzelung des Ministers Roberjot zu sein. »Der Hirnschädel lag einige Schritte weit von dem Körper; ich sah, wie ein Szekler ihn aufnahm, mir ihn zeigte, ihn besah und in seine Säbeltasche steckte!« Ebenso wollen auch Laublin, Desmont und Troyon misshandelt und beraubt worden sein. Entgegen den Behauptungen dieser Personen, wissen die übrigen in den Wagen Gewesenen nichts von übler Behandlung durch die Husaren zu erzählen. Insbesondere sind die Schilderungen des Benehmens dieser Soldaten von Seite der Damen Debry’s in hohem Grade bemerkenswerth. »Nach ihren Geberden zu urtheilen,« erzählt eine Tochter Debry’s, nachdem sie berichtet, wie ihr Vater überfallen worden war, »waren sie1) über die Art uns zu behandeln, sehr uneinig. Einige drohten uns, Andere winkten uns, auszusteigen, Andere dagegen bewachten uns beständig, um uns daran zu hindern. Wir wollten uns retten, aber es war uns nicht einmal möglich, es zu versuchen . „ . Ich beschwor sie (in deutscher Sprache?) knieend und mit gefalteten Händen, mir zu sagen, wo meinVater sei. Ich erhielt keine Antwort als diese (in welcher Sprache?): Ihr habt keinen Vater mehr; er ist todt! Em junger Husar, der am Schlage war, schien von unseren Klagen gerührt. Durch eine unwillkürliche Bewegung fasste ich seine Hand und flehte sein Mitleid an. Er drückte lange . die mehlige und die Hand der Bürgerin Debry mit der lebhaftesten Rührung . . Ich musste auch die Neugierde Einiger befriedigen, ihnen sagen, dass ich keine Deutsche, sondern eine Französin ') Die Husaren.