Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 121 sei, dass ich. zum ersten Mal in Deutschland reise und wenig von dieser Sprache wisse. Einigen Andern bewies ich das, indem ich mehrere Male ihre AVorte wiederholen liess, ohne sie zu verstellen. Ich erinnere mich, dass Einer von ihnen über meine Unwissenheit ungehalten war und mir sagte, ich verstünde wohl, wenn ich nur wolle. Ein Anderer sah uns aufmerksam an und sprach in fragendem Tone: due figliuole? Ich antwortete ihm, dass wir zwei junge Mädchen wären und eine Frau. Seine Aeusserung von Mitleid bei dieser Antwort erfüllte mein Herz mit Verzweiflung. Ich legte sie in dem Sinne aus: AVie sehr beklage ich Euch; Ihr habt Alles verloren!« Später zeigte sich das Mitleid der Husaren noch deutlicher. Nachdem mehrere von ihnen aus einer Flasche Branntwein getrunken, sagte einer: »Man muss die Flasche auch diesen Damen anbieten« und sogleich wurde sie ihnen hingereicht. »Der Husar sagte zu der Bürgerin Debry, es würde ihr wohl thun und mir wiederholte er das Nämliche. Ich bedankte mich und sagte, ich sei zu traurig, als dass ich trinken könnte. Er antwortete: Ich müsse dies nicht sein; man werde uns kein Leid zufügen!« Das Benehmen der Husaren gegenüber den Damen Debry’s ist, verglichen mit den Erzählungen Belin’s, Desmont’s, der Frau Roberjot, fast unerklärlich. Das Mädchen fragt nach dem Vater und findet Mitgefühl bei diesen Husaren. Einer von ihnen — dessen Hand das Mädchen seltsamer AVeise ohne zu schaudern erfasst — drückte lange die ihrige und die der Bürgerin Debry »mit der lebhaftesten Rührung« ! Auch andere richten freundliche Fragen an die Mädchen und die Gattin Debry’s, einer bietet ihnen sogar in derber soldatischer Gutmüthigkeit seine — Branntwein­flasche zum Trinken an! AVer erkennt unter diesen gutmüthigen Leuten dieselben Mordgesellen wieder, welche die widerstands­losen Gesandten zerstückeln, Alles, was ihnen in den AVeg kommt, misshandeln, das arme AVeib zwingen, der Ermordung ihres Gatten zuzusehen, die blutige Hirnschale des ermordeten Roberjot in die — Säbeltasche stecken? Diese Verschiedenheit in dem Benehmen der Attentäter, dem Gefolge der französischen Gesandten gegenüber, lässt

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