Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 109 dem einen zum andern; trotzdem aber geschah der Ueberfall der Wagen und die Ermordung Bonnier’s und Roberjot’s überraschend schnell. Es muss also mit Bestimmtheit an­genommen werden, dass die Mörder sich beim Wagen Debry’s nur sehr kurz aufgehalten haben und die Dienerschafts­wagen unbeachtet bei Seite lassend, sich nur schnell auf die Wagen Bonnier’s und Roberjot’s warfen, dass sie also sichtlich — sehr grosse Eile hatten. Auf Grund dieser vorläufigen Ergebnisse unserer Untersuchungen wollen wir nun feststellen, ob sich Anhalts- puncte ergeben, dass Szekler-Husaren die Mörder waren. Selbst wenn nicht schon aus den Erzählungen der Franzosen hervorgienge, dass nur sechs bis acht Personen die Wagen überfielen und die beiden Gesandten ermordet haben, so würde ein Blick auf den Plan der Umgebung von Rastatt und auf den Platz, wo der Mord verübt wurde, genügen, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, dass 32 Szekler-Husaren — denn so viele wurden des Mordes beschuldigt und vor Gericht gestellt — nicht einmal Raum hatten, jene Evolutionen aus­zuführen, die ihnen von Manchen zugeschrieben werden. Die Rheinauer Strecke, zu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, war rechts von einem Graben, links von der Murg begleitet. Ungefähr einen halben Kilometer weit vom Rheinauer Thal begann rechts der Strasse der »Rastatter Zey-Wald«, der sie begrenzte und weiter in den »Rheinauer Zey-Wald« übergieng. Die vordersten Wagen müssen unmittelbar an der ersten, über die Murg führenden Brücke angelangt gewesen sein, als sie angefallen wurden; denn nicht nurDebry giebt an, dass er aus dem Graben in den Wald entfloh — was doch nicht gut möglich gewesen wäre, wenn dieser ihn nicht durch seine Nähe förmlich dazu eingeladen hätte — sondern auch Boccardi sagt, er habe geglaubt, »dass die Damen die Brücke zu Fuss überschreiten wollten.« Ein Blick auf den Situations-Plan von Rastatt zeigt deutlich die Unmöglichkeit, dass Reiter-Abtheilungen von rechts und links heransprengten. Auf der einen Seite hinderte der Wald, auf der anderen die Murg ein derartiges Manöver; nun waren aber die Wagen der französischen Gesandten, wie die damaligen Reiseequipagen

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