Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
HO Criste. alle, sehr breit, nahmen wohl mindestens die Hälfte der Strasse ein, so dass auf dem freibleibenden Raum kaum so viele Reiter auch nur ihre Pferde hätten umwenden können. Es ist also schon nach der Beschaffenheit des Platzes anzunehmen, dass der Angriff nur von vorne oder von rückwärts oder aber von diesen beiden Seiten zugleich hätte erfolgen können. Er erfolgte bekanntlich nur von vorne, indem der erste Wagen, der Debry’s, angehalten wurde. Dadurch aber hatten die Insassen der rückwärtigen Wagen vollauf Zeit zu entfliehen, während die Attentäter bei den vorderen beschäftigt waren und thatsächlich gelang es ja auch, wie bekannt, den Herren Boccardi, Rosenstiel etc. davon zu laufen, bevor noch Jean Debry den berühmten »Kratzer« auf der Nase erhalten hatte. Ja, sogar der unglückliche Roberjot wäre ganz zweifellos entkommen, wenn ihn ein unglückseliges Verhängniss — oder ein sonstiger Grund — nicht wieder zu seinem Wagen zurückgeführt hätte. Dies festgehalten, drängt sich nun förmlich die Frage auf, wie die Szekler-Husaren, geführt von militärisch geschultenCommandanten, einen derart ungeschickten Ueberfall inseenieren konnten? Sie waren ja zahlreich genug, um sich zu theilen: eine Gruppe bleibt auf der Strasse, um die Wagen anzuhalten, die andere stellt sich jenseits der kleinen, über die Murg führenden Brücke, lässt die Wagen passieren und reitet dann auf die Strasse, die sie absperrt, damit keines der Opfer entfliehen könne. Statt so zu handeln, sollen sie in einen Klumpen geballt auf den vorderen Wagen »mit fürchterlichem Geschrei« losgestürzt sein, damit der grösste Theil der Gesellschaft Gelegenheit fand, zu entfliehen? Nein: das Attentat wurde von wenigen Leuten ausgeführt, die sich natürlicherweise nicht auf die grosse Strecke, die von acht oder neun mit zwei, vielleicht auch mit vier Pferden bespannten Wagen eingenommen war — mindestens 160 bis 200 Schritte — vertheilen konnten und durften. Die Attentäter haben, wie die Franzosen selbst angeben, französisch und deutsch gesprochen. Von den Szekler-Husaren sprach nicht ein einziger französisch; selbst von jenen Officieren des Szekler-Regiments, die hier in Betracht kommen, verstand diese Sprache nur der Oberlieutenant-Auditor Ruziczka der, wie später nachgewiesen werden wird, von Rastatt nach