Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
108 Criste. Linie behaupten dürfen, dass diese Leute über die Gattung der Mörder vollständig im Unklaren gewesen sein müssten. Erst als die Fackeln1) wieder brannten, sahen sie— Szekler- Husaren vor sich, denn diese haben die Fackeln erst wieder angezündet! Berücksichtigt man nun den wichtigen und in der Literatur über den Gesandten-Mord leider viel zu wenig gewürdigten Umstand, dass die Mörder unter dem Schutze einer ungewöhnlich finsteren und stürmischen Nacht gehandelt; sondert man dann, wie schon aus diesem Grunde allein dringend geboten, aus den Aussagen Debry’s und seines Gefolges das Mögliche von dem Unmöglichen, das Ueberein- stimmende vom Widersprechenden, bei selbstverständlicher Ausscheidung der offenen Unwahrheiten und Lügen, so lässt sich bezüglich des Ueberfalls von Debry und der Ermordung Bonnier’s und Roberjot’s Folgendes feststellen: Die Zahl der Attentäter kann sich auf sechs, höchstens acht Mann belaufen, von denen einer zu Pferd, die andern aber alle zu Fuss waren; flie eine brennende Fackel wurde sofort verlöscht und zwar durch die Attentäter oder durch den Fackelträger selbst; die Attentäter riefen wahrscheinlich den Namen Bonnier’s, möglicherweise auch den Roberj ot’s, ganz gewiss aber nicht den Debry’s ; sie fragten sowohl Bonnier, als auch Roberjot ausdrücklich und wiederholt nach ihrem Namen, offenbar, um sich zu überzeugen, dass sie nicht eine andere Person ermordeten; es war demnach unbedingt auf die Ermordung von Bonnier und Roberjot und nur auf diese beiden abgesehen; gesprochen wurde von den Attentätern französisch oder deutsch, möglicherweise auch beide Sprachen. Die Attentäter überfielen nicht zu gleicher Zeit sämmtliche Wagen, sondern sie giengen von *) *) Dass zwar mehrere Fackeln in den Wagen der Franzosen vorhanden waren, aber nicht brannten, bestätigt Rosenstiel, welcher erzählt, sein Bedienter sei, nach dem Anhalten der Wagen ausgestiegen »pour allumer ä la tété des voitures un des flambeaux que nous avions«. Warum nicht mehrere Fackeln brannten, ist umso weniger begreiflich, als die Nacht sehr finster war und man, als im Kriege befindlich, immerhin irgendwelche Störung während der Reise mit Recht erwarten durfte.