Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 107 kann1)! Freilich, wenn man sich die Scene so vorstellte, im strahlenden Lichte irgend einer künstlichen Sonne, darf es billig Wunder nehmen, dass man heute noch immer nach den Mördern sucht! Wir Andern, die wir besser unterrichtet sind als der hellsehende Maler und der unwissende Erklärer seines Bildes, wissen, dass der Schauplatz der Mordthat in die tiefste Finsterniss gehüllt war. Die Macht des 28. April war, wie bereits erwähnt, nicht nur eine aussergewöhnlich dunkle, sondern Schnee, Regen und Schlossen durcheinander­gemischt und von einem starken Sturm gepeitscht, erschwerten das Durchdringen der Finsterniss noch mehr. Dem Wagenzuge der Gesandten wurde eine einzige Fackel vorangetragen1 2 3). Der Mann aber, welcher diese Fackel trug, war unter den ersten Personen, die unmittelbar nach dem Ueberfall in Rastatt ankamen8); es wurde ihm also offenbar die Fackel von irgend Jemandem aus der Hand geschlagen4), oder hat er sie im ersten Schrecken, oder aus einem anderen Grunde freiwillig selbst fortgeworfen und sich unter dem Schutze der Dunkelheit geflüchtet. Berücksichtigt man diesen höchst wichtigen Umstand, so wird man auch den Werth der erwähnten Aussagen richtig würdigen; man wird auch begreifen, wie darin solch handgreifliche Unrichtigkeiten und Widersprüche Vorkommen können; man wird aber in erster 1) Interessanter als das Bild ist die dazu gehörige Legende. Die Gesandten verlangten, so werden wir belehrt, nachdem sie den Aus­weisungsbefehl erhalten, eine Escorte. »On la leur refusa et on les for9a k partir de nuit. A 50 pas de la vilié, leur convoi, oü se trouvérent leurs femmes et leurs enfants, fűt assailli par un détache- ment de hussards qui les sabrérent, tue rent Bonnier et Roberjot. laissérent Jean Debry pour mórt et volérent tous les effets, mais surtout les papiers des ministres franpais. Ce crime, le plus odieux de tous ceux commis contre le droit de gens, avait été prémédité et accompli par le gouvernement autrichien, pour connaitre les liaisons des petites puissances avec la République!« So werden geschichtliche Lügen popularisiert! 2) Aussage Debry’s und Belin’s, dann »Auth. Bericht«. Legations- Secretär Rosenstiel spricht zwar von mehreren brennenden Fackeln (»les flambeaux allumés«), doch ist seiner Aussage kein Gewicht beizulegen, da er, wie bereits erzählt, beim ersten Lärm davonlief. 3) Auth. Bericht, 23. 4) Auth. Bericht, 19.

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