Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

92 Criste. selben nach Debry gesucht haben sollen! Wie unter diesen Verhältnissen Debry entkommen konnte, ist ganz und gar unbegreiflich. Da es aber zweifellos feststeht, dass Debry sich gerettet hat, so muss in diesem Puncte seiner Aussage Glauben geschenkt und thatsächlich angenommen werden, dass die Mörder sich von dem ersten zum zweiten Wagen begeben hatten, wodurch Debry Gelegenheit fand, zu ent­kommen. Wenn 60—70 Reiter dagewesen, so dürfte der Wagen Debry’s noch lange nicht von denselben frei geworden sein, bis die ersteren zum zweiten kamen. Die Aussage der Damen verliert in diesem Palle umso mehr an Glaubwürdigkeit, als sie in dem ersten tödtlichen Schrecken wohl ziemlich unzu­rechnungsfähig waren. Das Durchsuchen dieses Wagens durch die Husaren muss also auf einen späteren Zeitpunct verlegt werden. Der Kutscher Kaspar weiss sonst nichts über die weiteren Vorfälle; es ist dies umso wahrscheinlicher, als er selbst einen Schlag erhalten haben will und sich sofort »zwischen seinem Sattel- und Handgaul herabgelassen« hat. Umso mehr weiss Sigrist. Dieser phantasievolle Mann will nicht nur eine Art Plaidoyer für seinen Herrn gehalten1), sondern auch gesehen haben, wie der Secretär Debry’s sich in der Haide verbarg und der Kammerdiener in die Murg entkam. Aber noch mehr hat er gesehen. Er sah, wie der Minister niederstürzte, »seine Kräfte zusammenraffte« (!) und sich in den Wald flüchtete! Nachdem Sigrist weiter gesehen, dass man keinem der markgräflichen Kutscher etwas zu Leide gethan und eonstatieren kann, dass sich während des Mordes und der Plünderung kein Officier zeigte, bemerkte er ausser­dem, wie bereits erwähnt, »dass kein einziger Husar französisch sprach«. Es genügt die flüchtige Lectüre dieser Aussage, um ruhig zu behaupten: Der Mann lügt! Was er alles gesehen haben will, kann in jener Nacht überhaupt kein Mensch gesehen haben. Dieser Aussage irgend eine Bedeutung beilegen, hiesse sich selbst belügen. Doch mag ein einziger Punct aus dieser Erzählung hervorgehoben werden, da er *) *) Von dem Niemand sonst etwas weiss, weder Debry, noch seine Damen, noch Kaspar.

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