Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)
Custine's Einbruch in Deutschland - Massnahmen der Verbündeten gegen Custine's weiteres Vordringen. Treffen an der Lahn. Custine's Versuche in Politik
62 Christen. der König und der Herzog von Braunschweig nur die Hessen mit der Aufgabe betrauen, den Besitz von Coblenz, der dortigen Magazine und des Forts Ehren breitstein zu sichern. Der Herzog sandte ihnen durch einen Courier den Befehl:x) Oberst Schreiber sei mit den Husaren und Jägern, der leichten Infanterie und dem Leibregimente sogleich nach Tavern zu detachieren, habe die dortigen Höhen zu besetzen und bis zur Ankunft preussischer Truppen zu halten; die übrigen hessischen Truppen hätten in Eilmärschen Coblenz zu erreichen, den Ehrenbreitßtein zu besetzen und bis zum Eintreffen der Preussen die Magazine zu schützen, feindliche „leichte Parteien“ bei Coblenz zurückzuwerfen, vor Uebermacht aber auf Tavern zurückzugehen. Zugleich mit diesem Befehle kam aber durch den preussischen Flügeladjutanten Major Rüchel die Nachricht, dass Tavern schon „sehr gut" von Oesterreichern des Corps Hohenlohe - Kirchberg besetzt sei, die Detachierung des Obersten Schreiber daher entfalle. Die Hessen setzten demnach den Marsch nach Coblenz fort. Der hessische Reiter-General Dalwigk hatte vor Abmarsch seiner Cavallerie über Schweich nach Lieser2) und Wittlich Patrouillen ausgeschickt. Erstere erkundeten, dass die Franzosen schon in Castellaun stehen sollten, letztere erfuhren und meldeten, sie seien am 23. in Coblenz eingezogen. General Dalwigk veranlasste hierauf, dass alle Mosel-Fahrzeuge an das linke Ufer geschafft würden und statt am 24. bis in die ihm zugewiesenen Nächtigungsstationen Scheidtweiler und Hontheim zu rücken, verblieb er mit der Reiterei in Wittlich und detachierte 2 Es- cadronen zur „Beobachtung" der Uebergänge bei Trarbach und Berncastel. Die Meldung Dalwigk’s wieder veranlasste das hessische Hauptquartier zur Absendung eines Officiers nach Lieser, um die eingeschiffte Artillerie anzuhalten 3j, ausbarkieren zu lassen und Bespannung für die Geschütze aufzutreiben. Inzwischen gieng das 2. Garde-Grenadier-Bataillon zur Bedeckung der Artillerie mit der Weisung nach Lieser ab, 4 bis 6 Kanonen dem Corps J) Dieser Befehl langte bei dem hessischen Corps in der Nacht zum 25. October an. 2) An der Mosel, gegenüber von Mühlheim. 3) Die Artillerie traf am 25. Nachmittags in Lieser ein, wurde ausgeschiift und setzte nächsten Tag mit Vorspannspferden den Marsch nach Coblenz fort.