Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Custine's Einbruch in Deutschland - Massnahmen der Verbündeten gegen Custine's weiteres Vordringen. Treffen an der Lahn. Custine's Versuche in Politik

60 Christen. 7. Massnahmen der Verbündeten gegen Custine’s weiteres Vordringen. Treffen an der Lalin. Custine’s Versuche in Politik. Landgraf Wilhelm IX. von Hessen - Cassel erhielt am 8. October durch einen Eilboten aus Rheinfels die Meldung von dem Einbrüche Custine’s in Deutschland, von der Wegnahme von Speyer, der Bedrohung von Mainz. Er übergab den Oberbefehl über den hessischen Theil der verbündeten Armee sogleich an den hessischen General-Lieutenant v. Biesenrodt und eilte nach Verdun zum Herzog von Braunschweig. Bei diesem beantragte er die Entlassung der Hessen aus dem Verbände der Alliierten, da er sein Corps zum Schutze des eigenen Landes benöthige. Der Landgraf für seine Person reiste noch am Nachmittage des 8. unter Geleit einer Escadron Husaren und einer kleinen Abtheilung Garde über Longwy, Luxemburg und, wegen der einlaufen­den übertriebenen Gerüchte von Custine’s Unternehmungen und Erfolgen, auf einem grossen Umwege über Artert, Flamisoul, Mal- maison, Marche en famine, Mandrin, Lüttich, Mastricht, Aachen, Coin, Bonn nach Coblenz, dann ohne längeren Aufenthalt über Montabaur, Limburg, Weilburg, Marburg nach Cassel, wo er am 17. October eintraf. General-Lieutenant v. Biesenrodt erhielt vom Herzog von Braunschweig den Befehl, den Rückmarsch mit dem hessischen Heerestheile nicht eher anzutreten, bis das Hauptquartier hiezu die ausdrückliche Erlaubnis ertheilt haben würde. Am 10. ergieng vom Herzog von Braunschweig der Befehl an Biesenrodt zum Rückzug durch Verdun. Dieser erfolgte Nachts zum 11. bis Bellerupt, in der nächsten Nacht bis Estain gemein­schaftlich mit dem österreichischen Corps unter Fürst Holienlohe- Kirchberg; am 13. bis Vaudoncourt, am 14. bis Longuion; am 16. wurde Longwy erreicht, am 17. Haucourt.1) Am 20. traten die Hessen, welchen Braunschweig auf wiederholtes Bitten Biesen- rodt’s endlich bewilligt hatte, den Preußen in die Gegend von *) *) Bei Longuion und bei Haucourt standen die Hessen zum Schutze der zurückgehenden Preußen zwei, beziehungsweise vier Tage in Stellung. Näheres hierüber siehe Band X, Hausenblas.

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