Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

Die Prager Juni-Ereignisse 1848. 287 Ehrenhaftigkeit der Commissäre (General der Cavallerie Graf Mensdorff und Hofrath Klezanski) nicht verfehlen konnte, die Umstnrzpartei mit neuen Hoffnungen zu beleben. Die Depu­tationen wurden wieder kühner, die Barricaden auf der Alt- und Neustadt wurden verstärkt und erhöht, kurz, die Unterhandlungen, welche nun die Hof-Commission anknüpfte, konnten zu keinem Resultate kommen. General der Cavallerie Graf Mensdorff, Hofrath Klezanski und der Gouverneur ersuchten den Commandierenden, den Alt­städter Ring, das Kinsky’sche Palais und das Carolinum zu räumen, in der Hoffnung, durch diesen Beweis von Vertrauen die Insur­genten zur Ruhe zu bringen. Fürst Windisch-Graetz gab nach, wohl überzeugt, dass diese Massregeln nichts fruchten würden, aber bereits entschlossen, das rechte Moldau-Ufer zu verlassen und eine zur Beschiessung der Stadt bessere Stellung am Hradschin einzunelimem, welche Bewegung er nur desshalb bis jetzt noch nicht vorgenommen hatte, um den Beweis zu liefern, dass er im Strassenkampfe gesiegt habe und auf keine Weise zum Abzüge gezwungen war. Während die Hof-Commission unfruchtbare Unterhandlungen im Rathhause pflog, begann der commandierende General in der Nacht vom 14. zum 15. Juni seinen Abmarsch. Sämmtliche Truppen, mit Ausnahme einer Division Infanterie, die zum Schutze des General-Commandos und Spitales unter dem Platz-Obersten Baron Go dart zurückblieb (die Citadelle Visehrad war durch eine Di­vision von Wellington besetzt), sämmtliche Geschütze, Gassen etc. zogen durch das Neu- und Spital-Thor gegen die Wiener Strasse und dann durch eine plötzliche Linksschwenkung über die bereits durch die Pionnier-Division besetzte Nothbrticke beim Eisenbahn- Viaducte und so fort am linken Moldau-Ufer bis zum Sand-Thor und in die befestigte Kleinseite; Fürst Windisch-Graetz mitten unter seinen Grenadieren, die nicht zugeben wollten, dass er sich zu Pferde setze und ihn baten, in ihrer Mitte zu Fuss seinen Marsch anzutreten. Kaum in dieser Position angelangt, woselbst auch schon die am 10. Juni aus den Festungen disponierten drei Bataillone ein­getroffen waren, wurden die steinerne Brücke, die Insel Compu und alle Zugänge zur Kleinseite besetzt, die Kanonen-Batterien am Ufer und eine Mörser-Batterie auf dem Plateau des Hradschins aufgeführt.

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