Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

286 Die Prager Juni-Ereignisse 1848 Wegräumung der Barricaden bewilligt wurden. Ersterer Punct wurde sogleich ausgeführt, der letztere ebenfalls auf der bei weitem ruhiger gestimmten Klein Seite; die Alt- und Neustadt jedoch schritten nur langsam zu dessen Erfüllung, wesshalb auch die Truppen den 13. und die Nacht zum 14. Juni in ihren Positionen blieben. Obwold die Stadt für den Augenblick unterworfen war, so konnte der commandierende General doch nicht zweifeln, dass er noch Truppen brauchen werde, um die Ordnung auch fernerhin zu erhalten und vor Allem war auch Cavallerie nöthig, um gleich im Beginne die sich vom Lande und in der Umgegend sammelnden Haufen des Landsturmes zu zerstreuen. Von den oben angedeuteten Verstärkungen aus den übrigen Theilen der Provinz war zwar die Infanterie am 14. Juni erwartet, allein die Kürassiere und Uhlanen konnten frühestens am 15. in Prag sein. Es war desshalb schon am 12. Juni in der Früh ein Courier an das Regiment Palatinal-Husaren abgesendet worden, welcher jedoch auf dem Wege aufgefangen wurde. Auf das Gerücht der Prager Ereignisse aber hatte der Oberst des Regiments einen Officier verkleidet in die Stadt geschickt, welchem es auch gelang, bis zum 14. Juni in der Nacht den Befehl zum eiligsten Marsche gegen die Hauptstadt in die Stabsstation zurückzubringen, worauf die Husaren unverzüglich aufbrachen und den unerhörten Marsch von Saaz, Brüx und Concurrenz nach Prag, theilweise im Trabe, in 16 Stunden zurücklegten. In der Truppenaufstellung wurde bis zum 14. Früh keine Veränderung vorgenommen, ausser dass die Besatzung der Burg um 21/2 Grenadier-Compagnien verstärkt wurde und FML. Graf Khevenhüller das Commando am Hrad- schin übernahm. Am Morgen des 14. Juni jedoch traten die Ereignisse zu Prag in eine neue Phase. Nach der Unterwerfung der Stadt, in Folge des Gefechtes am 12. Juni hatten die Gemüther sich doch etwas abgekühlt und es war zu hoffen, dass es wenigstens ohne ernsteren Kampf gelingen werde, die Ordnung wieder herzustellen; da erschien an diesem Tage eine vom Wiener Ministerium abgesandte Hof-Commission mit dem Aufträge, das Benehmen des Fürsten Windisch-Graetz zu untersuchen, was natürlich trotz der höchsten persönlichen

Next

/
Thumbnails
Contents