Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

282 Die Prager Juni-Ereignisse 1848. Commando der zurückkehrenden Bürger-Deputation und fieng an, sie zu insultieren, auszupfeifen und zu bedrohen, als eine, die daselbst wachhabende Abtheilung ablösende halbe Grenadier- Compagnie unter Lieutenant Jablonsky anrückte und Ordnung zu machen versuchte. Genannter Officier erhielt einen betäubenden Schlag in das Genick und eben zog ein Student das Pistol gegen ihn, als die Grenadiere mit gefälltem Bajonnette in die Rotte eindrangen, die sich mit dem Rufe: „Barricaden! das Militär greift uns an !“ in alle Strassen zerstreute. Der Student, der den Schlag auf Lieutenant Jablonsky ge­führt hatte, war gefangen und die Grenadiere waren eben im Begriffe, ihn niederzumetzeln, als Fürst Windisch-Graetz, auf die erste Nachricht von diesem Vorfall blossen Hauptes auf die Strasse eilend, ihn den Händen der wüthenden Soldaten entriss. Kaum jedoch war der Commandierende auf der Gasse erschienen, als aus den gegenüberliegenden Häusern Schüsse auf ihn fielen und vom Graben her andere Flintenschüsse den Aus­bruch der Empörung verkündeten. Der Befehl zur Allarmierung wurde gegeben und während die Truppen sich an den ihnen ange­wiesenen Plätzen versammelten, stürzte Fürstin Windisch-Graetz, die Gemahlin des Commandierenden, durch einen meuchei- mörderischen Schuss tödtlich getroffen, in ihrem Salon zusammen und mit ihr das Lebens- und Familienglück ihres Mannes, der mit gebrochenem Herzen, aber unerschütterten Sinnes auf die Bitte einer neuen Deputation um Schonung und Gewährung einer kurzen Frist zur Beruhigung der Volksmassen, das Feuer der ausrückenden Truppen einzustellen und wiederholte Beruhigungs­versuche bis zum Ablauf einer Stunde anzustellen befahl. Doch allenthalben in der Stadt hatten sich die Barricaden nach einem kunstgerechten und, wie die spätere Untersuchung bewies, schon lange vorher bestimmten Plane in der Alt- und Neustadt, sowie in der Kleinseite erhoben. Der Gouverneur, der auf diese Nachricht auf das Rathhäus eilte, ward im Clementinum gefangen gesetzt; aus dem Carolinum am Obstmarkte (Sitz der juridischen und medicinischen Facultät) und dem Museum am Graben (Sitz der Swornost) fielen Schüsse auf das Militär, einzelne Officiere wurden in den Gassen angegriffen, ersteres Gebäude durch die ausgezeichnete Entschlossenheit und

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