Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)
Die Prager Juni-Ereignisse 1848
Die Prager Juni-Ereignisse 1848. 283 Tapferkeit des Hauptmanns Müller mit der Grenadier-Division Klievenhüller jedoch erstürmt, in letzteres, nach Androhung des Einschiessens der Thore, eingedrungen. Die wachthabende Compagnie auf dem Altstädter Ring konnte sich nur mühsam mit ihren Geschützen, von deren Bespannung ein Pferd getödtet worden, gegen das General- Commando, sowie die Wache am Rossmarkte mit den ihrigen auf das Ross-Thor zurückziehen, der taghabende General Reiner ward blessiert und dem General Schütte das Commando über ein Grenadier-Bataillon und das Regiment Hochenegg am Graben übergeben. Da traf der erneuerte Befehl zum Einstellen der Feindseligkeiten bei den Truppen ein; der commandierende General liess die Insurgenten auffordern, sich zurückzuziehen und die Barricaden wegz'uräumen, doch die hiemit beauftragten Officiere, die Majore Lang und von der Mühlen und Rittmeister Fürst Alfred Windiscli-Graetz, sowie die Civilisten Doctor Klaudy mit mehreren gefangenen Studenten wurden überall, selbst mit Insulten, abgewiesen und das Feuern auf die Truppen begann, obwohl Anfangs auf ausdrücklichen Befehl unerwiedert, von Neuem. Fürst Windisch-Graetz wollte nun selbst in die Strassen, um das Volk zu beruhigen und im Falle des Nichtgelingens sich an die Spitze seiner Truppen zu stellen; da fällten die Grenadiere der Bataillone Cerrini und Rattay, die das General-Commando besetzt hatten, das Bajonnett und nöthigten, in der Furcht, den Fürsten (der durch 22 Jahre als Brigadier, Divisionär und com- mandierender General ihr Führer gewesen) durch einen zweiten Meuchelmord zu verlieren, denselben, in sein Haus zurückzukehren. Alle Versuche, die Massen zum Verlassen ihrer drohenden Stellungen zu bewegen, waren gescheitert; es war der Befehl gegeben, die Gewalt der Waffen in ihrer vollen Kraft zur Geltung zu bringen. Eine Cavallerie-Batterie wurde gleich bei der Allarmierung unter Bedeckung einer Escadron Palatinal-Husaren vom Hradschin über die Nothbrücke beim Eisenbahn-Viaducte herübergebracht, die Thore der Stadt waren allenthalben besetzt. Am Graben standen zwei Bataillone Hochenegg, ein Bataillon Wellington, ein Grenadier-Bataillon, die Cavallerie-Batterie, eine