Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

84 .Sacke n. Möge Preussen, statt durch die furchtbare Lehre der Schlachten, lieber auf dem Wege der ruhigen Ueberlegung zur Einsicht kommen, dass die freiwillige Anhänglichkeit gleichberechtigter und ebenbürtiger Mächte ihm sicherere Garantien gewährt, als die willkürliche An­kettung kleinerer und schwächerer Nachbarstaaten, die, blos dem vorübergehenden Zwange weichend, sich später in umso unver­söhnlichere Feinde des Drängers verwandeln und wenn auch nicht selbstständige Angriffsmassen, doch offene Thore zu dessen Grenzen bilden. Eine Macht wie Oesterreich, kann aber selbst diesem augenblicklichen Zwange sich nicht fügen, den der Schwächere eine Zeit lang dulden muss, sie darf nicht zugeben, dass Preussen der rühmliche Bezwinger der Revolution auf den Barrikaden Dresdens und vor Rastatt, jetzt, aus Gereiztheit oder sonstigen Ursachen, in Kurhessen derselben passiven Revolution Vorschub leistet, die es in seinem eigenen Lande mit Recht als Vergehen verfolgte und in nachträglichen Steuerverweigerungs-Processen noch jetzt zu be­strafen nicht müde wird. Oesterreich darf nicht zugeben, dass jener mächtige Bund, welcher nach langen Kämpfen geschlossen, den Dämon innerer Zwietracht in Ketten schlug, den deutschen Gauen durch länger als ein Menschenalter den Frieden bewahrte und dem Osten, wie dem Westen Achtung gebot, jetzt yon Preussen einseitig zertrümmert werde, um ihn unter anderem Namen, aber in kleinlichem Umfange und in musivischer Gestalt als ein preussisches Majorat wieder aufzubauen. Die Schlachtfelder an der March, von Mühlberg und Lützen, von Aspern und Leipzig, und noch hundert und hundert andere erzählen es, wie oft und mit welchen Opfern Oesterreich sein Schwert für Deutschlands Einheit, Recht und Ordnung gezogen; es wird nicht im Jahre 1850 einen Bau einreissen lassen, den es seit länger als einem halben Jahr­tausend mit seinem Herzblut kittete. Bei einem Kampfe, der, wenn er wirklich eintreten sollte, keinen unmittelbaren äusseren Y or­theil, am wenigsten eine Eroberung verspricht, hat Oesterreich be­reits freiwillige Verbündete zu seiner Seite stehen, Bayerns ruhm­volle Fahnen wehen neben den unserigen, Sachsen und Württemberg sammeln ihre Schaaren, um sie in unsere Reihen zu stellen. Diese Thatsache spricht mehr, als alle Deductionen für Recht oder Un­recht. Welche freiwillige deutsche Verbündeten kann Preussen bis jetzt aufzählen?

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