Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditscli. 83 In einem Kriegsfälle ist, nebst der Tüchtigkeit und Schlag­fertigkeit der Armee, auch die allgemeine Stimmung im Heere und Volke ein gewichtiger Factor. Hier war dieser von umso grösserer Bedeutung, als es sich um einen „Bruderkrieg“ handelte und nicht um einen solchen, in dem sich fremde Völker und Nationen gegenüberstehen. Die damals in Armeekreisen Oesterreichs herrschende Stim­mung charakterisiert ein Artikel des angesehenen Militärblattes „Der österreichische Soldatenfreund“ (der namentlich treffliche geschichtliche Reminiscenzen enthielt.*) „Nach langem, peinlichem Hinzweifeln sind die Dinge endlich zu jenem Puncte gediehen, den ein furchtsames Gemüth, unfähig ihn abzuwenden, mindest in’s abermals Ungewisse hinauszuschieben sucht, ein kräftiger Sinn aber vielmehr mit besonnener Freude begrüsst, weil dieser aus dem schwankenden Zustande passiven Zuwartens sicli wieder aut den festen Boden der That versetzt fühlt, weil, was bisher dem Zufalle oder fremder Laune unter­ordnet blieb, nun wieder unter die Leitung der Willenskraft und einer geprüften Uebcrzeugung zurückkehrt. Fern sei es von uns, Hass oder kriegerischen Fanatismus gegen eine Macht zu predigen, die seit lange unter wechselnden Verhältnissen uns befreundet war, die durch rüstiges Fortschreiten auf dem Wege der Cultur und Intelligenz uns Achtung einflösste, durch energische Bändigung revolutionärer Elemente innerhalb und ausserhalb ihres Gebietes sich Verdienste sammelte, deren wackeres Heer dem unserigen wiederholt mit Beweisen der Sympathie und Werthschätzung ent- o’eo'enkam. Wir wollen auch nicht nach individuellen Ursachen 0 O forschen, sondern es als ein schlimmes Verhängniss ansehen, dass ein Staat, dessen ritterlicher König noch jüngst, als eine ruchlose 1 land sich gegen ihn erhob, die laute Theilnahme Europas für sich hatte, jetzt durch den Einfluss einer momentan herrschend gewordenen und bis an das Staatsruder selbst vorgeschobenen Parteiansicht plötzlich in eine isolierte Stellung gerathen ist, die für den Augenblick Jene zu seinen Gegnern macht, welche es vor­ziehen würden, auch ferner seine Freunde und Bundesgenossen zu sein, wie sie es vorher gewesen. *) Der österreichische Soldatenfreund vom 7. November 1850. 6*

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