Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 243 Trotz dieser einer Kriegserklärung ähnlichen Aeusserung, die dem österreichischen Gesandten vorausflog, zeigten ihm weder Napoleon, noch seine Minister auch nur die geringste Verstimmung; ja, der Kaiser empfieng ihn hei der ersten Audienz am 9. April sogar mit einer Freundlichkeit, die einen fast sentimentalen An­strich hatte. Die Gründe dieser Taktik sind klar. Er hoffte noch immer, gerade durch Schwarzenberg auf Kaiser Franz I. einwirken und ihn zum Anschluss an seine Kriegspolitik bewegen zu können. Denn wenn er in dem Kampf, den er jetzt, seinem Stern mit fatalistischer Sicherheit vertrauend, heraufbeschworen, unterlag, so konnte das nur durch den Beitritt Oesterreichs zur Coalition geschehen — das fürchtete er nicht nur, das wusste er be­stimmt und der Frühjahrs-Feldzug von 1813 hat es bestätigt; gelang es ihm aber, alle Alliierten sammt Oesterreich zu besiegen, was denn doch nicht gar so unmöglich war, wie später, nachdem der Gigant zu Boden geworfen, Manche behaupten: dann musste sich natürlicherweise sein ganzer Zorn, seine volle Wuth über Oesterreich entladen und desshalb auch ignorierte er jetzt, wie Bignon sehr richtig bemerkt, Alles, um nachher nichts verzeihen zu müssen. Napoleon betonte in der Unterredung mit Schwarzenberg wie immer seine grenzenlose Friedfertigkeit, nur könne er nicht „capitulieren, wie eine Festung“; die „Andern“ sollten Anträge stellen. Als Schwarzenberg auf die Reden, die der Kaiser im Senat gehalten, auf die Noten, die der „Moniteur“ gebracht und die alle wenig Aussicht auf Frieden eröffneten, hinwies, entgegnete der Kaiser: „Mein lieber Freund! Solche Dinge sagt man dem Senat, dem Publikum, aber das beweist nichts; so muss man zur Nation reden, um ihren Eifer anzustacheln, aber die Sprache, die man in den Cabineten beim Unterhandeln führt, ist das nicht!“ Dann kam er auf England zu sprechen, das nie in einen Frieden ein­willigen werde, so lange Frankreich noch 30 Schiffe habe — auf Russland, das auch nicht zum Frieden geneigt scheine, auf den Abfall Preussens, über den er mit grossem Gleichmuth sprach. „Haben sie Erfolge“ meinte er, „so können sie bis an den Rhein kommen; ist der Erfolg auf meiner Seite, so ist mein Entschluss gefasst. Man kann zwar die Haut des Bären nicht theilen, ehe er erlegt ist, aber in diesem Falle verfüge ich über ihre Staaten 16*

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