Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

244 Criste. und theile die 5 Millionen, die den augenblicklichen Bestand Preussens ausmachen, wie folgt.“ Hier sprach der Kaiser rasch und mit zusammengebissenen Zähnen, so dass Schwarzenberg nicht Alles vonódéin Plane zu verstehen vermochte, der übrigens kurze Zeit nachher in Wien durch den französischen Gesandten doch bekannt wurde. Schwarzenberg verstand nur, dass der Kaiser aus Preussen drei Lose machen wolle. Schlesien solle an Oesterreich fallen, ein Theil vielleicht an Polen, der dritte zu Entschädigungen verwendet werden. Schwarzenberg antwortete darauf, dass die Absichten des Kaisers Franz I. wesentlich conservativ seien; „all’ seine Anstrengungen sind gerichtet auf das allgemeine Wohl und dieses kann nur aus einem dauerhaften, auf ein gerechtes Gleich­gewicht unter den Mächten gegründeten Frieden hervorgehen; jeder Gedanke an eine Vergrösserung, die auf Kosten Preussens geschähe und nicht ein Ergebniss des Friedens wäre, ist ihm fern.“ Dann berührte Napoleon die Frage, die ihm offenbar am wich­tigsten schien, die der Theilnahme Oesterreichs in dem bevor­stehenden Kriege. „Ihr könnt dreierlei Wege einschlagen,“ sagte er, „Ihr könnt euch auf die Seite meiner Feinde stellen. Ah!“ setzte er fort, sichtlich ergriffen, aber ohne Anschein von Gereizt­heit, „das würde ich, ich bekenne es, als ein grosses Unglück betrachten, als das grösste, das mir begegnen könnte; ich wüsste dann in der That nicht, wie die Sache enden würde. Es wäre sehr grausam für mich, zu kriegen gegen Oesterreich, gegen den Vater meiner Frau, gegen die Macht, deren Freundschaft ich mir erworben zu haben glaubte, als ich mich durch Familienbande mit ihr vereinigte! Das würde alle Rechnungen umstossen! Ich will Ihnen selbst das nicht verhehlen,“ fügte er vertraulich hinzu, „dass dieser Abfall auf die Stimmung meiner Völker mächtig ein­wirken würde; sie würden mich anklagen, dass es eine falsche Politik gewesen sei, als ich mich mit Oesterreich durch Familien­bande und Verträge verbündete. Wollt Ihr fortfahren, im Sinne der Allianz zu handeln, so müsst Ihr Euren Waffenstillstand kündigen, sobald ich an der Elbe angekommen bin. Ihr habt noch ein Beobachtungs-Corps in Galizien, fügt Ihr dem Hilfs-Corps 10.000 Mann hinzu, so kann es im Vereine mit dem polnischen Corps von dort aus, wo es steht, sehr wichtige Dienste leisten! Endlich,“ meinte der Kaiser,

Next

/
Thumbnails
Contents