Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

242 Criste. sehr bald den Zerwürfnissen einer unausbleiblichen Zukunft zum Opfer fallen. Die Ergebnisse der loyalsten und uneigennützigsten Politik, die aber gleichzeitig die Kopflosigkeit und Schwäche selbst wäre, würden ganz und gar gegen uns ausschlagen. Wenn Oesterreich mitwirkte zur Zerstörung der zweiten Mittelmacht, so würde es, ohne Frage, sein eigenes Todesurtheil unterzeichnen.“ D Schwarzenberg reiste über München und Stuttgart, wo die Diplomaten Oesterreichs und Preussens ebenfalls beauftragt waren, die betreffenden Höfe zum Beitritt zur Coalition zu bewegen. In München eingetroffen, machte der Fürst mit grosser Offenheit auf den bevorstehenden Wechsel im politischen System Oester­reichs aufmerksam und sagte dem französischen Gesandten Grafen Mercy d’Argenteau geradezu: „Wir brauchen Frieden und ich will Alles thun, um den Kaiser dazu zu bestimmen. Ich fürchte, er wird erst, nachdem er die Waffen wieder ergriffen haben wird, darüber sprechen, aber einmal in einen neuen Krieg verwickelt, was wird das Ergehniss sein? Neue Unglücksfälle können Alles vernichten, Erfolge zu weit führen. Ist Frankreich nicht gross, nicht stark genug innerhalb seiner Bheingrenze, was braucht es sonst noch für Rechtstitel des Einflusses auf Deutschland, ausser denen, die seiner Macht selber innewohnen? Die Hanse-Städte müssen wieder frei sein, man muss auf Illyrien verzichten, die Fürsten Deutschlands müssen unabhängig sein. Der gegenwärtige Zustand kann nicht bleiben!“ 2) Mercy d’Argenteau unterliess es selbstverständlich nicht, diese Worte sofort an seinen Hot zu be­richten. „Es war die aufregendste Botschaft, die man dort über die Gesinnungen des Wiener Hofes empfangen hatte,“ sagt Bignon. !) Die Weisungen an Schwarzenberg vollinhaltlich abgedruckt hei Oncken a. a. 0. I. Bd. pag. 439 u. f. Urkunden-Anhang. Nachdem diese Weisungen er­gangen waren, schrieb Herr v. Floret an Metternich über eine Unterredung, die er mit dem Herzog v. Bassano gehabt. Oesterreich, sagte dieser, welches in der Flanke der Gegner stehe, brauche jetzt nur eine Demonstration gegen Schlesien vorzunehmen, um einen unfehlbaren Rückzug zu erzielen. „II est nécessaire“, fuhr er fort, „que votre cour s’explique franchement, eile se trouve au moment oü des vues sur la Silésie peuvent se réaliser, oü enfin on pent convenir sur des arran­gements pour l’avenir“. Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Floret an Metternich 27. März 1813. 2) Bignon, Histoire de France sous Napoléon. Paris 1846. XI. Bd. pag. 433.

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