Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
Sa ekén. Requisition k. preuss. Seite bei dem k. k. österr. Gouvernement sieh als noth wendig herausstellen dürfte.“ Es ist nicht zu verkennen, dass die Absicht, das Corps Schwarzenberg bei der Pacification Badens mitwirken zu lassen, etwas verspätet an den Tag trat und dass nur die Deckung Württembergs, sowie die Sicherung der Grenze gegen die Schweiz als stichhältige Motive dafür gelten konnten. Offenbar gieng der Gedanke hiezu von Wien aus, denn die plötzlich auftretende Energie des Reichs-Kriegsministers ist kaum anders zu erklären. Dadurch dürfte sich aber auch die Verzögerung ergeben haben, bis die Idee zur That wurde. Dass der Prinz von Preussen dem Unternehmen entgegen- trat, lässt sich leicht motivieren und stehen politische und wohl auch persönliche Beweggründe hier im Einklänge. Der Prinz musste den politischen Anschauungen seines Königs und seiner Regierung- folgend, welche den Bundestag und seine Centralgewalt nicht anerkannten, diesem Ansinnen die Berechtigung absprechen. Kun galt es aber auch, bei einem sieg- und erfolgreichen Unternehmen in der zwölften Stunde noch einen Theilnehmer an dem Verdienste participieren zu lassen, während doch damals schon die Rivalität und die Spannung zwischen Oesterreich und Preussen einen ziemlich hohen Grad erreicht hatte. Weniger erklärlich und aus den vorliegenden Acten nicht zu entnehmen ist es, warum Fürst Wittgenstein dem Proteste des Prinzen von Preussen ohne Weiteres Folge gab und von dem Unternehmen sofort abstand. Man war ja doch sicher berechtigt, zum Schutze des durch die Revolution bedrohten Württembergs aufzutreten und wäre dies, wie es die späteren Ereignisse erweisen, in jeder Beziehung von Vortheil gewesen. So aber musste der Protest des Prinzen von Preussen und die Nachgiebigkeit des Fürsten Wittgenstein in Wien und beim Truppen-Commando in Bregenz einen unangenehmen, ja peinlichen Eindruck hervor- rufen. In Wien hauptsächlich desshalb, weil dadurch versäumt wurde, die Fortschritte der Politik Oesterreichs in Süd-Deutschland auch auf militärischem Gebiete zu stützen und durch gebrachte Hilfe auch das Volk zu gewinnen.