Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 227 lischen Subsidien reichten nicht, die Contributionen brachten nicht viel ein und für ein kleines Anlehen im Sommer 1813 musste sogar der kaiserliche Schmuck verpfändet werden. r) Am 9. Februar 1813 erliess Kaiser Franz I. an die Landes-Chefs der österreichischen Provinzen ein Circulare, welches lautete: „Das erste Bedürfniss aller europäischen Staaten ist Ruhe. Ein Friede, auf wechselseitiges Interesse gegründet, ein Friede, welcher in seinen Grundlagen die Bürgschaft seiner Dauer trägt, ist das Ziel. Aber auch zur Erreichung dieses Zieles muss Oesterreich in einer den Zeitumständen angemessenen Militärverfassung erscheinen. Diese Macht wird, wenn gegen bessere Erwartung das Unter­nehmen nicht mit Erfolg gekrönt werden sollte, den Schauplatz des Krieges auch noch fernerhin auf die wirksamste Weise von den Grenzen der Monarchie entfernt halten.“2) Gleichzeitig befahl er, dass nach dem Vorschläge des Grafen Bellegarde ein drittes Corps unter dem Namen eines Observations-Corps in Böhmen auf­gestellt werde und übertrug den Befehl Uber dasselbe dem FM. Grafen Kolowrat. Dieses Corps zerfiel in vier Divisionen (FML. Weissenwolf, Colloredo, Radetzky und Chasteler) und sollte so aufgestellt werden, dass die Dislocation nicht weiter als bis in die Linie von Deutschbrod, Caslau, Kuttenberg, Chrudim und König- grätz ausgedehnt werde. 3) Zu derselben Zeit, am 3. Februar, erliess der König von Preussen, der sich von Berlin nach Breslau begeben hatte, die Ordre, mittelst welcher die bereits am 28. Januar eingesetzte Rüstungs-Commission die Wohlhabenden und Intelligenten auffor­derte, als freiwillige Jäger in das Heer zu treten. An demselben 3. Februar hatte auch General Bubna eine zweite Unterredung mit dem Kaiser Napoleon. Er überreichte dabei zwei Briefe seines Monarchen. In dem ersten, der die Antwort auf das Schreiben Napoleons vom 7. Januar enthielt, sprach Kaiser Franz seine Zufriedenheit aus, dass Napoleon die Friedensvermittlung Oester­reichs angenommen habe, lehnte aber alle Forderungen des fran­zösischen Kaisers ruhig ab und betonte, dass er nur den Frieden wolle, den er für das dringendste Bedürfniss seiner Völker ansehe. *) Beer, Die Finanzen Oesterreichs, pag. 85. 2) Wiener Zeitung. Dienstag, den 16. Februar 1813. Nr. 20. 0 Kriegs-Archiv. Observations-Corps in Böhmen. II. 2. 15*

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