Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

228 Criste. Um dieses Ziel zu erreichen, werde er vorläufig kein friedliches Mittel anzuwenden unterlassen; er habe aber auch bereits Ordre zur Mobilisierung von 100.000 Mann gegeben. Der zweite Brief enthielt die Mittheilung, dass Fürst Schwarzenberg den Befehl erhalten habe, das österreichische Hilfs-Corps in die Nähe von Galizien, nicht aber, wie der Yice-König gewünscht hatte, nach Kalisch zu führen. Diese Mittheilung brachte Napoleon ganz aus der Fassung : „Das ist ein böses Stück, mein Herr“ rief er „das ist gegen den Vertrag. Das ist der erste Schritt zum Abfall. Es kann nicht zweierlei Commando in einer Armee geben. Sie haben mir das Corps zur Verfügung gestellt, um Russland zu bekriegen. Wenn Ihr Hilfs-Corps von meiner Armee getrennt wird, so ist es gleich Null für den Zweck. Ebenso gerne verzichte ich darauf; wenigstens weiss ich dann, woran ich mich zu halten habe. Sie haben System gewechselt! Wir werden die Welt Umstürzen! Die Hoffnung auf Frieden ist dahin! Sie wollen Ihr Hilfs-Corps aus dem Spiele ziehen! Ich habe Ihre Vermittlung für den Frieden angenommen — aber ein bewaffneter Vermittler passt mir nicht! Der Vice- König kann genöthigt werden, Warschau zu räumen, die Weichsel zu verlassen und hinter die Oder zu gehen. Das wird schlimmes Aufsehen in meiner Armee und in Frankreich erregen. Ich werde darüber zu meinem Volke reden, neue Aushebungen machen; ich werde vielleicht meine Truppen hinter den Rhein zurückziehen, mich mit den Russen verständigen. Zwei grosse Mächte finden immer Mittel zur Verständigung und Sie können nicht mehr auf mich zählen!“ Der Kaiser hatte die Ruhe, die Ueberlegung voll­ständig verloren; er merkte die Absicht Oesterreichs, er sah, dass es den ersten Schritt gethan, um das lästig gewordene Biindniss zu lösen, er drohte. — Als er etwas ruhiger geworden war, lenkte er ein: „Ich vertraue voll und ganz auf den Kaiser von Oester­reich und auf Metternich; man kann sich aber nicht verhehlen, dass ich“ (und sich rasch verbessernd) „dass Frankreich Oester­reich viel Böses zugefügt hat. Dies lässt ein Gefühl der Bitterkeit zurück, das nicht so leicht verwischt werden kann. Ausserordent­liche Ereignisse, wie diejenigen dieses Feldzuges machen grossen Eindruck. Die Völker sind misstrauisch. Ihr habt eure Allianz mit mir für ewige Zeiten geschlossen, aber —“ hier unterbrach

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