Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 207 trennen und es ist nothwendig, dass wir dem System folgen, welches die Regel seines Benehmens ist. Es ist auf Oesterreich, dass man wirken und Einfluss zu erlangen suchen muss. In allen Fällen werden wir stets dem Wege folgen, welchen Oesterreich einschlagen wird.“ *) Als nun Mitte December in Berlin die Nachricht von der Rückkehr Napoleons aus Russland eintraf, musste man sich zu irgend einer Haltung entschliessen. Die Erwägungen, die gepflogen wurden, sind in verschiedenen Denkschriften enthalten, die dem Könige vorgelegt wurden: sie alle gipfeln in dem einen Punct, dass jetzt der Moment zum Handeln gekommen sei, dass aber Oesterreich mit einer entschlossenen That vorangehen müsse, denn, meinte Kanzleirath Albrecht sehr richtig, Napoleon gebiete noch immer über so ausserordentliche Ressourcen und sei so geschickt, sie zu benützen, dass er den Rheinbundfürsten imponieren und im Frühjahr wieder furchtbar werde auftreten können. Selbst wenn Russland nach Polen vordränge und die schwedische Landung in Nord-Deutschland stattfinde, könne man ohne Oester­reich nicht in d i e S eh r anke n treten. Knesebeck’s Ansicht gieng dahin, Preussen müsse eine Stellung einnehmen, die ihm g-estatte, Oesterreichs oder Russlands Partei zu ergreifen. Vor Allem müsse der König Berlin verlassen und nach Schlesien gehen; ein Gesandter müsse in Wien Oesterreich zu bewegen suchen, sogleich 100.000 Mann an den Ober-Rhein, 60.000 Mann nach Italien abzuschicken und für Preussen ein Ililfs-Corps von 30.000 Mann bereit zu machen. Sobald der König in Schlesien sei, könne er sich, wenn Oesterreich zögern sollte, für Russland erklären oder abwarten, wozu sich Oesterreich entschliessen werde! 2) Noch naiver waren die Ansichten des Staatsrathes Ancillon, welcher meinte, Oesterreich müsse ohne Zeitverlust seine Truppen an der Donau und am Ober-Rhein aufstellen, um für die Rhein­bundfürsten zum Bollwerk gegen Napoleon zu dienen. „Alles das muss binnen vier Wochen geschehen, es wird die öffentliche Meinung gewinnen; Napoleon wird unfähig sein, gegen dieselbe B Pertz, Das Leben des FM. Grafen Neidthart v. Gneisenau. Berlin. 1869. II. pag. 461. 2) 31. Duncker, Aus der Zeit Friedrichs des Grossen und Friedrich Wil­helm III. Leipzig 1876. pag. 450 u. f.

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