Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

208 Criste. anzukämpfen. Bis Oesterreich sich erklärt hat, muss Preussen mit kluger Vorsicht verfahren, die französischen Vorschläge nicht schlechterdings zurückweisen, aber sich dabei immer auf seine Erschöpfung beziehen. Preussen muss sich rüsten unter dem Vorwände, dass dies zu Gunsten Frankreichs geschehe. Da Napoleon keine seiner Verbindlichkeiten beobachtet, vorzüglich da er ausser Stande ist, Preussen gegen einen Angriff Russlands zu schützen, so darf der König ohne den mindesten Skrupel einen besonderen Frieden mit Russland schliessen.“ *) Der klarerblickende Staatskanzler Hardenberg 2) modificierte all’ diese Vorschläge und man einigte sich über eine Denkschrift, die dahin lautete: die Zeit des Handelns sei gekommen: Preussen sei am gedrängtesten und müsse deshalb die grössten An­strengungen machen, um seinen Ruhm, seine Unabhängigkeit und seine Macht wiederzugewinnen. Man müsse sich mit Oesterreich über das Minimum der zu stellenden Friedensbedingungen ver­ständigen. Weise Napoleon diese zurück, so sei dies der Krieg. Die Streitkräfte Preussens seien augenblicklich zu sammeln und zu concentrieren, um der Unterhandlung Nachdruck, Oesterreich Vertrauen, Russland den Glauben zu geben, dass Preussen zur alten Allianz zurückkehre.3) Vorläufig wurde General von Krusemark nach Paris gesandt, welcher dem Kaiser folgenden Brief des Königs von Preussen zu überbringen hatte. „Mein Herr Bruder! der Graf v. St. Marsan hat mir den Brief übergeben, den E. M. mir bei Ihrer Reise durch Dresden zu senden beliebte und der Herzog von Bassano hat mir Mit­theilung von den Absichten E. M. gemacht. Beide werden Ihnen schon Bericht erstattet haben über die lebhafte Genugthuung, mit welcher ich diese neuen Beweise ihrer Freundschaft und Ihres !) Kanke, Denkwürdigkeiten des Staatskanzlers Fürsten v. Hardenberg. Leipzig 1877. IV. Bd pag. 342. 2) Hardenberg dachte übrigens gar nicht an eine Befreiung Deutschlands vom „französischen Joch“, sondern vertrat ausschliesslich preussische Politik und wäre gegen eine entsprechende Entschädigung gerne einen Vertrag mit Napoleon eingegangen. Vgl. M. Lehmann. Scharnhorst. Leipzig 188tí. II. Bd. pag. 476 u. 494. 3) Duneker, Aus der Zeit etc. S. 458.

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