Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
192 Criste. Feldzug hatte ihm nur eine Armee gekostet und die unerschöpflichen Hilfsmittel eines ausgedehnten Reiches standen ihm noch immer zu Gebote; was aber sein kriegerisches Genie vermochte, das hatte Europa schmerzlich genug erfahren. Ganz Deutschland stand noch unter französischer Herrschaft und musste erst erobert werden; ein grosser Tlieil von Preussen, mit den wichtigsten Festungen war von französischen Truppen besetzt, der König selbst inmitten französischer Waffen. Russland aber, dem Alles daran liegen musste, die beiden Mittelmächte, Oesterreich und Preussen, zur Theilnahme an einem neuen Feldzug zu bewegen, falls es überhaupt irgend welchen Nutzen aus dem Missgeschick Napoleons ziehen wollte, war nicht verlässlich. Das russische Cabinet hatte seit einer langen Reihe von Jahren seine Politik gründlich in Verruf gebracht und den leitenden Männern in Oesterreich und Preussen das tiefste Misstrauen eingeflösst. Die traurige Lage, in welche diese beiden Mächte durch das rücksichtslose und unwiderstehliche Vordringen Napoleons gerathen waren, hatte sie veranlasst einander näher zu treten und schon am 4. September 1812 hatte der preussische Staatskanzler Hardenberg sich in einem fast verzweiflungsvoll zu nennenden Schreiben an den Grafen Metternich gewendet, ihn um Rath gefragt, wie aus der qualvollen Lage, in welcher Preussen sich befand, herauszukommen sei. Metternich antwortete am 5. October und zeichnete in diesem Briefe den Gang der russischen Politik mit scharfen Strichen. Er erklärte, dass er nicht in Russland die Basis finden könne, die jeder Rechnung zu Grunde liegen müsse; dass die leitenden Männer Russlands auch jetzt, wie 1807 und 1810 bereit seien, von einer Linie zur anderen überzuspringen; dass er bei Kaiser Alexander auf keinerlei Festigkeit rechne, auf keinen Zusammenhang in den gegenwärtigen und künftigen Plänen des russischen Cabinets. „Es bleibt uns nur übrig“ schrieb er „uns abermals in uns selber zu verschanzen, in unsern eigenen Mitteln müssen wir die Hebel unseres Heils suchen. Ich sage unseres Heils, denn die Interessen unserer beiden Staaten trenne ich nicht und werde ich niemals trennen, trotzdem ihre augenblickliche Lage in unzähligen Beziehungen eine durchaus verschiedene ist, eine Verschiedenheit, deren blosse Erwähnung hinreichen würde, um den Satz aufzustellen, dass das Glück uns hin-